Sinneswandel: Mit Wirtschaftsminister Aiwanger in den Wadlhauser Gräben

Damals gegen alle Widerstände errichtet, heute Vorzeigeobjekt: Am Freitagnachmittag stattete Wirtschaftsminister Aiwanger unseren Windrädern in den Wadlhauser Gräben einen Besuch ab. Der Grund: Eine Informationsfahrt für Bürger aus dem Landkreis Altötting, organisiert von den Bayerischen Staatsforsten.

Bleistifttest in 1200 m Entfernung vom Windrad

Die Vorgeschichte: Im Altöttinger und Burghauser Forst könnten auf einer Fläche von knapp 4.800 Hektar 40 Windräder entstehen. Von dieser Fläche haben die Bayerischen Staatsforsten im Mai 2023 rund ein Viertel für den geplanten Windpark zur Ausschreibung freigegeben.

Fürsprecher für Windenenergie

Das Gebiet verteilt sich auf insgesamt sieben Standortgemeinden: Altötting, Neuötting, Marktl, Haiming, Burghausen, Mehring und Burgkirchen a. d. Alz. In Mehring allerdings wurde das positive Ansinnen des Gemeinderats durch einen Bürgerentscheid gekippt – und die Staatsforsten haben seit 2011 die gültige  Klausel, dass sie keine WEA gegen den Willen einer Gemeinde errichten. Mehring bleibt also außen vor. Zunächst.

 

Links halb im Bild Martin Neumeyer, Chef der Bayerischen Staatsforsten, der Berger Bürgermeister Steigenberger, Wirtschaftsminister Aiwanger

Bürgermeister Steigenberger wandelte sich vom Saulus zum Paulus, wie er selbst sagte. Zunächst skeptisch gegenüber der Windkraft, ist er heute ein glühender Verfechter selbiger und will die erneuerbaren Energien vorantreiben. Er gehört auch zum Initiatorenkreis des Bürgerappells“, den 432 Bürgermeister aus ganz Bayern unterschrieben haben, um die Energiewende zu beschleunigen. Letztes Jahr waren sie zu Besuch bei Ministerpräsident Söder, vor  drei Wochen bei Hubert Aiwanger und vor einer Woche bei Klaus Holetschek. Ihr Thema ist nicht nur die Windenergie, sondern auch der Ausbau der Netze und die Speicherung von Energie.

Im Wald

Hubert Aiwanger mahnte mehrmals zur Stille – um zu lauschen. An einer Stelle war ein leises Windrad zu hören, an anderer Stelle war die Autobahn lauter. Die Windräder sind mit sogenannten “Eulenflügeln”, einer kammartigen Struktur am unteren Ende der Rotorblätter ausgestattet, um das Rauschen zu verringern.

Pia Zordick vom Ingenieurbüro Sing, die bei der Errichtung der Windräder in den Wadlhauser Gräben schon beteiligt war, lieferte noch versiert technische Details, und Mitarbeitende der Firma Qair, (ehemals Green City, das nach der Insolvenz 2022 von dem französischen Investor übernommen wurde) informierten über das Projekt. Bürgermeister Steigenberger riet zur Bürgerbeteiligung mit egionaler Wertschöpfung – auch das ist aber wohl schon angedacht im Landkreis Altötting.

 

Wir freuen uns immer, wenn sich die Räder drehen! Die Staatsforsten gaben für die weitgereisten Gäste noch einen kleinen Imbiss (“Wald und Wild”) aus. Wir erinnern uns: Ministerpräsident Seehofer hatte unserem damaligen Bürgermeister in Andechs mit auf den Weg gegeben, es bleiben zu lassen. Hier unser Bericht von damals:

Mit einem Horst Seehofer wird es keine Verspargelung der bayerischen Heimat geben!” war in seiner Rede die Kernaussage des Ministerpräsidenten zum Thema Windkraft. Die Aussage wurde laut beklatscht. “Rette unseren Forst, Horst” hatten Sympathisanten auf Plakaten gefordert. Hintergrund ist die bayerisch/sächsische Bundesratsinitiative, nach der der Abstand von Windrädern das 10-fache der Höhe betragen soll. Windräder mit weniger Abstand sollen auch finanziell nicht mehr gefördert werden. In Berg beträgt der Abstand der geplanten Windkraftanlagen nur etwa das 6-fache. Seehofers populäre Initiative ärgert deshalb Rupert Monn, der inzwischen in CSU-Kreisen vom Vorkämpfer der Energiewende zum “Buhmann” (SZ) geworden ist. Nach der Rede passte er “seinen” Ministerpräsidenten ab. Nach den Zeitungen entspann sich vor dem Ausgang in etwa folgender Dialog:

Monn (tritt dem Ministerpräsidenten in den Weg): “Wir kämpfen in Berg für die Energiewende.”

Seehofer: “Denken Sie an Ihre Bevölkerung. Seien Sie doch froh, dass Sie kein Windrad bauen müssen.”

Monn (sich abwendend): “Unmöglich!”

Seehofer (ihm nachgehend): “Kommen Sie doch nach der Wahl in die Staatskanzlei, dann reden wir in Ruhe darüber.”

Monn (nimmt die Einladung an, im Weggehen): “Ich glaube nicht, dass er das im Bundesrat durchbringt.”

Am Freitag sagte Wirtschaftsminister Aiwanger, der Freistaat Bayern habe Erneuerbare Energien als im überragenden öffentlichen Interesse liegend festgeschrieben – daher könne er nicht zusagen, dass WEA für alle Ewigkeit von Bürgerentscheiden verhindert werden können.

Kommentieren (5)

  1. JTO
    4. Mai 2024 um 10:16

    Was ist der Bleistifttest?

    • quh
      5. Mai 2024 um 14:28

      Mit dem Bleistift messen Förster angeblich die Höhe von Bäumen – und hier wurde der Bleistift als Maßstab für die Höhe des Windrads benutzt.

      • TR1980
        6. Mai 2024 um 12:58

        Einfach mal nach Strahlensatz googlen… bei einem Windrad in großer (nicht unbedingt genau bekannter Entfernung) aber natürlich beliebig ungenau. Da dürfte es als Wirtschaftsminister einfacher sein, den Betreiber anzurufen und die Höhe zu erfragen 🙂

  2. Gast
    5. Mai 2024 um 9:40

    schon ein toller Kerl! oder wie soll ich diesen Artikel verstehen? und dann noch die Überschrift und die vielen Bilder …

    • quh
      5. Mai 2024 um 14:27

      Hat keiner behauptet! Das war nur ein Bericht über den Besuch und dessen Zweck und ein Staunen über den Sinneswandel der Staatsregierung.

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