Vergeblich hatten diverse Gemeinderäte bei der Planung des neuen Rathauses darauf gedrungen, dass in diesem doch auch Platz für die Bürger, für Versammlungen oder auch mal für eine Ausstellung sein müsse. Schon Altbürgermeister Monn wehrte alle diese Begehrlichkeiten – wegen der Förderfähigkeit – entschieden ab. Der neue Bürgermeister Steigenberger zauberte dann in die Kalkulation einen Betrag für die Künste hinein, der dann im letzen Jahr von einer Jury vergeben wurde, die aus dem Bürgermeister, dem Kulturbeauftragten Dr. Andreas Ammer, der Kulturvereinsvorsitzenden Elke Link, der Kuratorin Katja Sebald, dem Gemeinderat Heinz Rothenfusser und als externem Juror dem Leiter des Starnberger Museums Benjamin Tillich gezielt an Berger Künstler vergeben wurde.
Bevor wir auf die Kunstwerke eingehen: Auf Einladung des Kulturbeauftragen und des Kulturvereins wird am 31.1. in Gestalt von Maxi Pongratz, der im dann geöffneten Ratssaal ein Konzert geben wird, die Eignung des Rathauses als Veranstaltungsort offiziell getestet. Karten gibt’s in der Oskar Maria Graf Buchhandlung oder unter: schad.kulturverein@gmx.de. Bleibt zu hoffen, dass die Veranstaltung gelingt und der – mit Bürgergeld finanzierte – Ratssaal dann den Bergern dauerhaft für Konzerte, Vorträge, Kinoabende zur Verfügung steht.

Maxi Pongratz testet am 31.1. das Rathaus als Veranstaltungsort
Und damit zur bildenden Kunst: Die Jury wählte zuerst sechs Standorte im Rathaus und ebensoviele Berger Kunstschaffende aus, die beauftragt wurden, Werke für das Rathaus vorzuschlagen. Ein Wunsch der Jury war es, obendrein ein “dezentrales” Kunstwerk zu haben, das sich durch das ganze Haus ziehen sollte. Birgit Berends-Wöhrl schuf darauf einige Figuren, die sich redend, balancierend oder Kopf stehend vom Eingangsbereich über den Aufzug bis zum Trauzimmer durch das Rathaus bewegen. Das Werk wurde ebenfalls mit dem Kulturpreis der QUH 2025 geehrt: https://quh-berg.de/das-grosse-a/

Zwei Damen im Gespräch von Birgit Berends-Wöhrl, ein Teil ihres vielfigurigen Werkes
Der Fotograph Andreas Huber, eigentlich für eine Installation im Fahrstuhl vorgesehen, wählte lieber den Keller als Ort für seinen Dipyichon. Dort trumpft er umso größer auf: Am Eingang des Archivs plazierte er zwei großformatige Aufnahmen einer Hängeregistratur, die allerdings wie ein furioses abstraktes Werk wirken.

Andreas Hubers kraftvolle Hommage an das Archiv
Schon leidlich bekannt, weil ebenfalls spektakulär gelungen, ist Hans Panschars “Gemeinderad”, das 15 Gebäude aus den 15 Berger Ortsteilen zu einer runden Sache vereinigt. Schöner kann die Individualität und der gleichzeitige Zusammenhalt der 15 Berger Ortschaften nicht demonstriert werden. Übrigens harrt die exakte Aufklkärung welches Haus für welchen Ortsteil spricht noch der Aufklärung. Erkennbar ist oben links der Berger Marstall, unten links die Kirche, nein, nicht die von Aufkirchen, sondern die von Allmannshausen. Aufkirchen wird durch den Stromverteilerturm (ungefähr auf 14 Uhr) vertreten. Schon vor 14 Jahren hatte Hans ein “Gemeinderad” als Installation auf dem Berger Kreisel vorgeschlagen, war damals jedoch abgelehnt worden https://quh-berg.de/es-geht-rund-die-7-gemeinderatssitzung-2011-16543257/. Gut Ding braucht Weile.

Die 15 Berger Ortsteile, wer kann sie erraten? – Das Gemeinderad von Hans Panschar
Auch abstrakte Werke zieren unser Rathaus: An der Decke des Treppenhauses hängt eine filigrane Skulptur von Cornelia Hesse, die allerdings nicht wirklich abstrakt ist: Sie bezieht sich in ihrer chromglänzenden Decken-Skulptur, die die Jury auf Anhieb überzeugt hat, auf die Kieselsteine, wie sie am Ufer des Starnberger Sees im Wasser zu sehen sind, und die Cornelia buchstäblich zum Schweben bringt.. Aus mehreren Fotos der Kiesel entwickelte sie eine blubbernd luftige Skulptur.

In der Luft statt unter den Füßen: Cornelia Hesses Portrait von Kieselsteinen im See
Ein Favorit der Jury ist auch Juschi Bannaskis monumentales Hinterglasbild, das den Eingangsbereich des Rathauses zu einem kleinen Ereignis macht. Allein die technischen Herausforderungen, ein Hinterglasbild dieser Größe herzustellen, waren nicht leicht zu meistern. Juschi bezweifelt, dass handwerklich schon einmal ein größeres Hinterglasbild gemalt wurde. Meisterhaft obendrein ist ihre Farbbehandlung, die dem völlig abstrakten Bild eine quasi kosmische Tiefe und gleichzeitig eine lebensbejahende Fröhlichkeit verleiht. Die Gliederung in ein bedrohliches Braun, das in Leserichtung in ein flirrend-dominierendes Tiefsee/Himmel-Blau (etwas Grün im Übergang) übergeht und schließlich erlösend in einem strahlenden Sonnen-Gelb aufgeht, lässt viele Interpretationen zu, ohne eine nahezulegen. Ein Kunstwerk in dem man lange versinken kann und das aus der Ferne wie aus der Nähe beeindruckend und soghaft ist.

Juschi Bannaski auf der Höhe ihrer Kunst: der Hinter-Glas-Tryptichon im Eingangsbereich
Und im Außenbereich dann Roman Wöhrl, der den von ihm verfertigten König-Ludwig-Spruch auf dem Kreisel im hinteren Bereich des Rathauses einen knallroten “Stairway to Heaven” entgegengesetzt hat, dem er – nach Martin Buber – den Titel “Vom Ich zum Du” gegeben hat. Kein leichter Weg.

Und damit (mit den offiziellen Kunst-im-Bau-Werken) nicht genug. Eine persönliche Idee des Bürgermeister war es, die gläsernen Eingangstüren zum Rathaus ebenfalls mit den Namen aller Ortsteile zu versehen, die in einer von dem verstorbenen Berger Illustrator Walter Habdank (1930-2001) entworfenen Schrift ausgeführt wurden.

Posthume Ehrung: Walter Habdank entwarf die Schrift für die Rathaustüren
Über die tonnenschwere Skulptur “Unity” (Einigkeit) des dänischen Künstlers Pal Svenson, die auf Vermittlung des Kulturreferenten von einen privaten Berger Spender der Gemeinde gestiftet wurde und die vor dem Rathaus am Kreisl einen würdig-wuchtigen Ehrenplatz gefunden hat, berichteten wir bereits im QUH-Adventskalender: https://quh-berg.de/die-9-welle/?offen=ja. Die beiden Yin-Yang-mäßig verschlungenen Steinblöcke berühren sich nur in einem einzigen kleinen Punkt.

“Unity” von Pal Svenson, tonnenschwer und doch fragil
Auch eine Gipsmodell einer Portrait-Büste von Oskar-Maria-Graf von Max Wagner wird noch ihren Weg ins Rathaus finden. Im Eingangsbereich werden zwei große Vitrinen für Wechselausstellungen installiert werden, und ein Berger Sammler hat weitere Werke für die Mitarbeiterzimmer angeboten. Möge das Rathaus zu leben beginnen!

Das Gipsmodell einer Büste von Oskar Maria Graf von Max Wagner war bereits 2006 Teil der Berger Graf Ausstellung und wird seinen Weg ins Rathaus finden












