Ein Stammzellenspender berichtet

Die Familie Schad aus Aufkirchen war ja schon häufig bei uns im Blog zu Gast – zumeist verbunden mit Geigen, Musikpreisen, Aufführungen. Nach Mutter Beate, Vater Nils und Bruder Julian geht es heute um den 23-jährigen Florian. Bei der Typisierungsaktion für die an Blutkrebs erkrankte Regina Springer aus Farchach im Juni, zu der gut 700 Menschen gingen, kam der Elektrotechnikstudent, der beim MTV Berg Fußball spielt, mit Mitorganisatorin Andrea Schwenski ins Gespräch, die uns den Kontakt vermittelte. Er berichtet uns von seinen Erfahrungen bei der Stammzellenspende.

Daumen hoch!

Flo Schad hatte sich beim Blutspenden typisieren lassen. Vor etwa einem Jahr erhielt er dann die Nachricht, er käme – gemeinsam mit anderen möglichen Spendern – als Stammzellenspender für eine erkrankte Person in Frage. Er solle vorerst kein Blut mehr spenden und wurde für drei Monate geblockt.

Nach diesen drei Monaten Wartezeit kam die Spende allerdings doch nicht zustande. Flo erklärt, warum: “Männer sind bessere Spender. Je größer und massiger der Mensch, umso mehr kann er spenden – ich bin allerdings nur 1,77 groß und  eher ein schmächtiger Typ. Der andere in Frage kommende genetische Zwilling war schlichtweg größer und schwerer. Ich hoffte einfach das Beste für die erkrankte Person. Dann erhielt ich kurz nach meinem Geburtstag im Februar plötzlich einen Anruf der Stammzellenbank – ich wurde gefragt, ob ich einspringen könne, da der ausgewählte Spender an Corona erkrankt war. Ich war natürlich bereit.”

Am Mittwoch erhielt Flo den Anruf, am Freitag fand die Voruntersuchung statt. Ein Blutbild wurde gemacht, Flo wurde komplett durchgecheckt und erhielt eine ausführliche Aufklärung: “Alles habe ich  ehrlich gesagt nicht verstanden, schließlich studiere ich Elektrotechnik und nicht Medizin!”

Wir lassen Flo weitererzählen:

“Dann wurde ich gebeten, meine sozialen Kontakte zurückzuschrauben, da das Immunsystem der  Person, die die Stammzellen bekommen soll, durch die Chemo heruntergefahren wurde und  erst wieder mit neuen Stammzellen aufgebaut wird. Das war zu Beginn etwas schwierig, weil ich noch Klausuren schreiben musste und außerdem einen Job im Apple-Store mit vielen Kontakten hatte. Mein Arbeitgeber hat das aber voll unterstützt, sodass ich knapp drei Wochen zu Hause bleiben konnte. Fünf Tage vor der Spende muss man sich selbst zwei Mal täglich G-CSF unter die Haut spritzen – ein Mittel, um Granulozyten, also weiße Blutkörperchen, zu produzieren und das Wachstum der Stammzellen anzuregen bzw. sie zu mobilisieren. Die Reaktion nicht schlimm, ich war nur super müde, und die  Knochen taten ein bisschen weh. Das ist nicht angenehm, aber wohl kein Vergleich zu dem, was die Person mit der Chemo und der Erkrankung durchmacht.

Man kommt morgens an, dann wird noch einmal Blut abgenommen, um nachzusehen, ob alles funktioniert hat mit den Spritzen – mein Bauch sah sehr lustig aus, voller Pflaster (lacht). Man sitzt dann einfach nur auf diesem Stuhl, wie auf dem Bild zu sehen. Das gesamte Blut in meinem Körper wurde zwei Mal durch die Maschine gepumpt – das war ausgerechnet an dem Tag, an dem Russland die Ukraine angegriffen hat. Deswegen habe ich die ganze Zeit Nachrichten geschaut, weil ich einfach nicht fassen konnte, was da passiert. Es tut eigentlich gar nicht weh und dauert insgesamt 2,5 – 3 Stunden, man muss nur ab und zu den Durchfluss regulieren. Danach soll man zwei Wochen Ruhe geben, um zu regenerieren, dann kommt eine Nachsorgeuntersuchung – das lief bei mir alles gut. Es waren also nur ein paar Wochen ohne soziales Umfeld bis zur Spende – eine Woche später konnte ich wieder eine Klausur schreiben und feiern gehen, denn die Clubs hatten wieder aufgemacht.”

Wir fragten Flo, ob er weiß, für wen er gespendet hat. Er erklärt: “Zu der Person selbst hat man zwei Jahre keinen Kontakt. Ich habe angegeben, dass ich mich freuen würde, wenn der Kontakt danach hergestellt würde – ich hoffe, dass alles gut funktioniert hat. Letztlich ging alles superschnell, das war ein extremer Sonderfall, und es ist so simpel im Vergleich, was die andere Person durchmacht – ich wusste nur, dass es sich um eine Mutter Ende Vierzig handelt. Sie hat durch meine Spende hoffentlich noch Jahrzehnte ihres Lebens dazugewonnen.”

Danke, Flo, für deinen offenen und interessanten Bericht, der vielleicht noch weitere Menschen dazu inspiriert, sich typisieren zu lassen. Und wir drücken ganz fest die Daumen, dass für Regina bald ein genetischer Zwilling gefunden wird.

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