Ein Ereignis! Die Winterreise in Kempfenhausen

Es kam nicht überraschend! – Es war ein Ereignis mit Ansage, aber … es war ein Ereignis! Lange, lange Zeit ist in Berg nicht klassische Kultur auf einem so hohen Niveau dargeboten worden: Das Gedenkkonzert für Dietrich Fischer-Dieskau im vollbesetzten Rittersaal von Schloss Kempfenhausen war  … wir müssen uns wiederholen … ein Ereignis, dem sogar Herzog Franz von Bayern beiwohnte.


Auftritt von Akemi Murakami (Klavier) und Benjamin Appl (Bariton) unter dem Beifall des Herzogs von Bayern (hinten mitte)

Benjamin Appl, der letzte Schüler, den der Jahrhundertbariton und Berger Dietrich Fischer-Dieskau ausgebildet hatte, trug  über eine Stunde lang ohne Pause Franz Schuberts Lied-Zyklus “Die Winterreise” zur Gänze vor. Gespannt, fasziniert und hoch konzentriert (es waren nicht einmal ein Husten zu hören) lauschte das dankbare Publikum. Darunter befand sich allergrößte Prominenz: Herzog Franz, das amtierende Oberhaupt der Wittelsbacher, der König von Bayern wäre, wenn es noch einen König in Bayern gäbe, fand sich mit seinem Lebenspartner in der dritten Reihe im Publikum und klatschte beherzt.

Prof. Dieter Borchmeyer hielt eine leidenschaftliche  Gedenkrede 

Der ehemalige Präsident der Akademie der schönen Künste Prof. Dieter Borchmeyer, ein Freund von Dietrich Fischer-Dieskau, hatte zuvor eine ebenso kundige wie launige Gedenkrede für den “Jahrhundertkünstler” (so nannte ihn Leonard Bernstein) gehalten. Er erzählte, wie der öffentlichkeitsscheue Bariton Fischer-Dieskau mit keinem einzigen Konzert in seinem Leben je zufrieden gewesen sei, wahrscheinlich auch nicht, als er 1943 als Schüler zum ersten Mal die “Winterreise” gesungen habe und auch nicht als er – unter der Moderation von Loriot – bei einem Silvesterkonzert in der Münchner Staatsoper seinen offiziellen Abschied von der Bühne genommen habe … nur um sich dann noch 20 Jahre der Lehre und dem Dirigat zu widmen. 2001 trug er sich ins Goldene Buch von Berg ein.

Ein neuer “Player” auf der Berger Bühne: Der Organisator des erstaunlichen Abends, Prof. Ludwig Steindl

Organisiert hatte den Abend unter großem menschlichen und finanziellen Einsatz der Berger Kulturverein. Federführend war Prof. Ludwig Steindl, der auch darauf bestanden hatte, dass für den Abend extra ein Flügel herangeschafft werden musste (den die Gemeinde Berg, vertreten durch den Kulturreferenten Andreas Ammer, dann finanzierte). Der alte Flügel des Kulturvereins, der dringend ersetzt gehört, wäre für eine solche Darbietung bei weitem nicht geeignet gewesen.

In dem intimen Rahmen des Rittersaals erklang das Wunderwerk von Schuberts “Winterreise” dann auf eine selten gehörte, intime Weise. Denn eigentlich ist Benjamin Appl, fünf Jahre lang exklusiver Sony Platten-Star, solch kleinen Sälen längst entwachsen. Er hat mit seiner Interpretation der “Winterreise” bereits die USA bereist. Die Financial Times schreib bei diesem Anlass, er sei ‘the most promising of today’s up-and-coming song recitalists’. Jetzt gastierte er nach Boston, Pittsburg und Dallas dank dem Engagements des Kulturvereins und zu Ehren seines Lehrers einmalig in Kempfenhausen. Besonders die leisen, lyrischen Stellen des Zyklus gelangen ihm in dem kleinen Saal mit einer zu Herzen gehenden Zartheit, die vielleicht nur in dem kleinen Rittersaal möglich war. Ein Hauch von Einmaligkeit wehte den ganzen Abend durch den Raum. Bei der abschließenden Stelle aus dem “Leiermann”, in dem er vom “wunderlichen alten Mann” sang, verneigte er sich vor seinem Lehrmeister, der mit einem Selbstbildnis im Saal anwesend war.

Der verdiente Applaus für die Klassik-Stars (im Hintergrund ein Selbstportrait von Dietrich Fischer-Dieskau)

Diejenigen, die das Privileg hatten, bei diesem Abend dabei gewesen zu sein, waren sich einig: Solch ein Ereignis wie dieses, das der Kulturverein im Rahmen der 1200-Jahr-Feiern der Gemeinde Berg organisiert hatte, hätte auch in jedem großen Konzerthaus der Welt stattfinden können.


Herzog Franz von Bayern und sein Lebenspartner mischten sich begeistert nach dem Konzert unters Publikum

Der Abend war der Abschluss des ersten großen Veranstaltungswochenendes der den Berger 1200-Jahr-Feiern. Weiter geht es schon am nächsten Freitag mit dem neuen Film “Mein Daheim im Oberland” von Walter Steffen (in dem auch Bergs Dritte Bürgermeisterin mitwirkt). Einlass im Postsaal in Aufkirchen ist ab 18 Uhr. Der Film in Anwesenheit des Regisseurs beginnt um 20 Uhr (Eintritt nur 7€, Karten in der Drogerie Höck und in der Buchhandlung Schöner Lesen). Das Programm der Festwochen finden Sie unter http://www.berg1200.de. Einen Trailer zum Film unter https://berg1200.de/veranstaltungen/mein-daheim-im-oberland/

Die nächste Veranstaltung des Kulturvereins im Rahmen der Festwochen ist am 4. Juni die Konzert/Lesung “”Der erste Satz – faszinierende Anfänge in Beethovens Klaviersonaten und der Weltliteratur”: https://berg1200.de/veranstaltungen/der-erste-satz-faszinierende-anfaenge-in-beethovens-klaviersonaten-und-der-weltliteratur/

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