Die neuen Kathedralen (Gestern im Gemeinderat pt. 1)

Die Türme der Frauenkirche in München sind 98,57 bzw. 98,45m hoch. Laut Stadtratsbeschluß darf keines der Münchner Hochhäuser innerhalb des Mittleren Ringes die heilige Stadtkirche überragen … anders in Berg: hier beschloß der Gemeinderat gestern einstimmig, dass die (lt. QUH-Informationen 3-4) möglichen neuen Windräder im Nordosten der Gemeinde 200m (+/-5%) hoch wachsen dürften.


Halb so hoch wie die 3-4 Berger Windräder: die 2 Türme der Frauenkirche

Unter anderem ging es im fast vollbesetzen Gemeinderat (sogar der seltene Gast GR Reiser von der BG war anwesend) um ureigene QUH-Themen wie den Internet-Breitbandausbau (“da haben wir ein leidiges Thema vom Tisch”) oder kunstgeschichtliche Themen (“der Rost bei der Krone soll darstellen, dass …”), es ging um die Dauer von Baustellen, die Änderung der Geschäftsordnung oder das befürchtete vierstöckige Vielfamilienhaus in Assenhausen (abgelehnt). All dies werden die geneigten QUH-Blog-Leser morgen hier an dieser Stelle lesen können und müssen. Denn die meiste Zeit …


Fluch oder Segen? – Erfindung des Windrades

… ging es um die Windräder, die in Berg auf Initiative der Gemeinde entstehen sollen und derentwegen es gestern auch vollbesetzte Zuschauerbänke aus den Nachbargemeinden gab (Monn: “ich sehe viele Gesichter, die ich nicht kenne”). Es ging um jene bislang unbekannte Anzahl von Windrädern, die an der nord-östlichen Gemeindegrenze bei Neufahrn entstehen könnten. Angedachte Höhe: nicht über 200 m. Zum Vergleich: das Drehrestaurant im Olympiaturm misst 181 m. Lt. Wikipedia ist die höchste Windkraftanlage in Bayern (steht in Ochsenfurt) derzeit weniger als 180 m hoch.


Der vermutliche Standort der Windkrafträder: von Neufahrn aus gesehen

In seltener Einmütigkeit stimmte der Gemeinderat mit jeweils 20:0 Stimmen gegen jeden der Einwände, die bei der ersten Auslegung der “Änderung des Flächennutzungsplanes” von den Trägern öffentlicher Belange (Landschafts- und Natürschützer, Jäger und Energieerzeuger) vorgebracht worden waren. Wieder wurde vom Bürgermeister – angesichts des vorliegenden Bauantrages für ein Windrad vor Aufkirchen – das Berger Mantra angerufen: “Es geht nicht darum, ob, sondern wo wir die Windräder bauen”. Die anwesenden Sachverständigen erläuterten, es gäbe keine naturschutzrechtllichen Bedenken. Die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes werde bei etwaigen Bauanträgen noch mit einer “Sichtverschattungsanalyse” geprüft (was für ein Wort!). Immer wieder wurde versichert: man bewege sich bei dem neuen Flächennutzungsplan “innerhalb der gesetzlichen Regelungen”. Stattgegeben wurde allerdings einem Protest von Ickinger Seite … dort hatte man irrtümlich nur 800 statt der allseits vereinbarten 1000m Abstand zur nächsten Bebauung eingeplant, und einem Protest des Straßenbauamts, das wegen Eiswurfs einen größeren Sicherheitsabstand zur Autobahn gefordert hatte.

Damit ist ein großer Schritt in Richtung der gemeindeeigenen Windräder getan. Mit großer Disziplin winkten die Räte – in der Hoffnung, das Richtige zu tun, und in Aussicht auf eine echte Energiewende in Berg – sämtliche erforderlichen Beschlüsse einstimmig durch.

Nachdem so viel Wind so einstimmig beschlossen wurde, stimmte der Gemeinderat auch noch einhellig dem – von GR Kaske (QUH) vorgetragenen – Antrag der QUH zu, zu prüfen, ob man nicht auch die Wasserenergie in Berg nutzen könne.


Schweizer Kleinwasserkraftwerk

GR Haslbeck (CSU) hatte gleich die physikalischen Formeln bereit und erläuterte, dass man in Berg höchstens – je nach Standort – mit 30-200kW Ertrag rechnen könnte. Das wäre der Energiebedarf von 10 Haushalten. Trotzdem: Bei einem Ortstermin will man sich kundig machen, weil es in Bezug auf die Energiewende “keine Denkverbote” geben dürfe.

Wie gesagt: Den ganzen gewichtigen Rest samt Breitband, Baustellen und Großhäuslebauern: Morgen in der 2. Folge unserer beliebten Serie “Gestern im Gemeinderat” (auch wenn es dann vorgestern ist).