Bei strahlendem Wetter aber weit weniger Besuchern als sonst fand am Sonntag der Gedenkgottesdienst für König Ludwig II. an der Votivkapelle in Berg statt. Im Vorfeld hatte es einige Verhandlungen gegeben. Die Wittelsbacher als moderne Familie wollten die Veranstaltung, die in der Vergangenheit von königstreuer Folklore etwas überstrahlt wurde, nicht mehr selbst organisieren, die Gemeinde hatte ebenfalls abgewunken … die katholische Kirche sprang ein, allerdings mit der salomonischen und einschränkenden Formulierung, dass sie “den regelmäßig stattfindenden Sonntagsgottesdienst an diesem Tag als Freiluftgottesdienst abhält”. Eine Rede des “Landesverbandes der Königstreuen”, die vor drei Jahren noch etwas befremdlich an dieser Stelle gewirkt hatte, gab es somit diesmal nicht (unser Bericht über damals hier: https://quh-berg.de/karabiner-la-den-legt-an-feuer/

Pfarrer Mathias Klein-Heßling beim Freiluftgottesdienst an der Votivkirche
Pfarrer Mathias Klein-Heßling nutzte somit die Gelegenheit, seine eigene Organisation in den Mittelpunkt der Veranstaltung zu stellen und hielt eine ganz normale, katholische Messe ab, die wenig Zugeständnisse an den Anlass machte. In seiner Predigt und stellte er Ludwig II. recht eigenwillig “in eine lange christliche Tradition”: “Er war ein König, der die Schönheit liebte, der in den Bergen und in seinen märchenhaften Schlössern nach einer idealen, unversehrten Welt suchte. Er war Zeit seines Lebens ein Suchender – auf der Suche noch dem Absoluten, nach dem Heiligen, nach einer Wirklichkeit, in der Kunst, Glaube und Welt zu einer harmonischen Einheit verschmelzen.”

Der König ein moderner Heiliger?
Der anwesende Prinz Ludwig von Bayern, amtierenden “Thronfolger” sah das anschließend in einem Interview etwas sachlicher und moderner. Anders als der Pfarrer sprach er sogar offen von “Homosexualität”, bezeichnete Ludwig II. fprsch als einen “Teil der bayerischen Popkultur” und fand “Gedenken wichtiger als spekulieren, was mit Ludwig geschehen sei”. Insbesondere in Berg, wo er ja am ehesten als Privatmann gelebt habe.

Ludwig Prinz von Bayern samt 3-Tage Bart nennt im Interview seinen Vorfahren “Teil der bayerischen Popkultur”
Trotzdem war die Veranstaltung natürlich nicht frei von der üblichen Kini-Folklore, zu der Menschen teils mit Bussen von weit angereist kamen und ztum Abschluß spielten die Lüßbachthaler, die den ganzen Gottesdienst sehr würdig begleitet hatten, eine wunderbar getragene Version der Bayernhymne.

“Ich bin der König!”
Guglmänner hingegen waren keine zu sehen und auch das Heer der Karnevals-Cheveauleger reiste nur in der halben Mannschaftssstärke wie vor 3 Jahren zum dreifachen Salut an.

Früher mehr als ein Dutzend, diesmal nur noch zu sechst; Die ehem. Cheveauleger samt Gewehr
Professor Gudden, der zur selben Stunde an dieser Stelle zu Tode kam, weil er dem König ins Wasser folgte, wurde mit keiner Silbe erwähnt. Unsere Serie “Ein König stirbt” über die letzten Tage von König Ludwig setzen wir morgen ebenso fort, wie wir über die gleichnamige Ausstellung im Starnberger Museum berichten werden.
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