Gestern Sitzung, heute Bericht, morgen Weltuntergang

Die Themen der gestrigen Gemeinderatssitzung vor vollgepackten Zuschauerrängen versprachen eigentlich kaum eine Aufregung – und dann wäre trotzdem fast die Welt untergegangen … 

Blick in den neuen Sitzungssaal des Rathauses (in zwei Jahren links unterhalb der Kranspitze)

Die Energie beschäftigt derzeit die Bürgerschaft. GR Rothenfußer (Grüne) fragte im Auftrag des Arbeitskreis Energie der Bürgerbeteiligung an, ob sich die Anwohner des Huberfeldes an der Wärme- und Energiegewinnung des Rathauses beteiligen könnten. Oder “Gibt es einen möglichen Wissenstransfer?” Antwort des Bürgermeisters: Bei der Wärmetauscher-Tiefenbohrung sind Nachbarn aus Platzgründen leider nicht mehr anschließbar. Die Ergebnisse der Untersuchung können natürlich zur Verfügung gestellt werden. (Notiz am Rande: Als das Rathaus konzipiert und eine Zusammenarbeit möglich gewesen wäre, gab es dafür zwar Nachfragen, aber noch kein nennenswertes Interesse. Womöglich würde sich ein Gespräch mit der Kirche anbieten, auf deren Grundstück nebenan neue Wohnhäuser entstehen sollen.)

Dann wurde es apokalyptisch. GR Streitberger (SPD) fragte nach dem Schlimmsten: einem möglichen Energieengpass im Winter für die Gemeinde: “Gibt es einen Notfallplan?” Die verblüffende Antwort: Ja, es wurde in der Tat bereits darüber nachgedacht. Es gibt immer schon ein Notstromaggregat für die Wasserversorgung. Jetzt werden die Treibstofftanks so sehr gefüllt, dass es für einen 2-wöchigen Stromausfall gerüstet wäre. Der Dieseltank wird dafür auf 6000 Liter Mindestbefüllung gehalten. Entsprechende Tests wurden bereits gemacht, die Aggregate auf Funktionsfähigkeit überprüft. Auch der Abwasserverband sei beim Thema Pumpen “hellhörig” geworden. Die Feuerwehren sorgen sich schon um den Strom für ihre Funkgeräte. (Notiz am Rande: Im letzten Jahr hat die Gemeinde beschlossen, ihre Bunker aufzulösen: https://quh-berg.de/von-null-auf-20-die-gemeinderatssitzung-vom-20-juli-2021/)

Werner Streitberger hatte gleich noch ein Krisenthema parat: Ob denn von den großen Mengen Totholz, das bei den Unwettern angefallen sei, überlegt wurde, ob die Bürger etwas erwerben können. Bisher war nur das “Aufräumen” Thema, so der Bürgermeister. – Und GR Brandl (CSU) wies noch darauf hin, dass der Lüßbach “ausgmaht g’hört”.

Die Tagesordnung war demgegenüber unspektakulär: Drei Eschen an der Seestraße dürfen wegen “Eschentriebsterben” und bei Nachpflanzung gefällt werden. Es gibt kein neues Einfamilienhaus Angermaierweg, keinen Aussiedlerhof in Höhenrain – auf die Privilegierung wird aber gewartet. Für eine minimale Erweiterung eines Bachhauser Familienhauses soll endlich – wie vom Gemeinderat gefordert – eine wohlwollende Lösung gefunden werden.

Weniger Probleme, das Vordringen in den Außenbereich durchzusetzen, haben große Investoren. Bei der größten Baustelle in Berg, am südlichen Ortsrand in der Schatzlgasse, entstehen in 4 Gebäuden jeweils 6 schmale Reihenhäuser (Breite inklusive Spindeltreppe ohne Mauern 3,2 m). Der Gemeinderat hatte die Bauten oder Terrassen, die dort in den Außenbereich hineinragen, abgelehnt. Das Landratsamt sie jedoch genehmigt. Jetzt werden weiters eine Sauna samt Vorplatz, eine lange Feuerwehrzufahrt und – bei uns auf dem Land besonders reizvoll – ein “urban gardening“-Bereich geplant.

24 Reihenhäuser mit 3,20m Wohnungsbreite und “urban gardening” im Außenbereich (rechts der Aussichtsturm im Außenbereich).

Der Gemeinderat, der dem Projekt bislang gar nicht sooo ablehnend gegenüber gestanden war, hat offenbar die Geduld mit dem Bauwerber verloren und lehnte alle Anträge weiterhin einstimmig ab. Man ahnt, dass das Landratsamt der Zerstörung unserer Landschaft trotzdem weiter zustimmen wird. Bei Interesse: die Wohnungen, die lt. Bürgermeister nur mit Einrichtungsgegenständen eines schwedischen Anbieters einzurichten seien, weil man anders ein Bett die enge Wendeltreppe des schmalen Hauses nicht hinauf bekäme, sind hier digital zu besichtigen: https://schatzlgasse.euroboden.de/grundrisse-preise . Preis für einzelne Wohneinheiten (z.B. Haus Wiesenhang, 3-4 Zimmer, ca. 131qm Wohnfläche plus Gemeinschaftsflächen) ab 1,79 Millionen €. 

Mit dem Schwarzbauen hat die Investmentgesellschaft bereits begonnen. GR Ammer (QUH) fragte nach dem drei Container hohen Aussichtsturm, der auf der Baustelle errichtet  wurde. Für den soll laut Bürgermeister in den nächsten Tagen nachträglich ein Bauantrag eingereicht werden. Mal sehen, wie über den abgestimmt wird.

Wohnen und “urban gardening” im Außenbereich: Bildschirmfoto der digitalen Werbebroschüre für die Schatzlgasse

Am Ende der Sitzung kehrte man geistig noch einmal zum Anfang zurück: Neben dem ehemaligen Klärteich in Mörlbach plant die Gemeinde bekanntermaßen den gesetzlich vorgeschriebenen Aufbewahrungsort für Bauschutt. Der entsprechende Bebauungsplan wurde weiter fortgeschrieben. Allerdings hat sich auch in Mörlbach ein Nahwärmeprojekt von 16 Bürgern zusammengefunden, das jetzt Platz für sein Blockkraftwerk sucht und es auf dem Gemeindegrund gerne errichten würde. Das Anliegen wurde wohlwollend zur Kenntnis genommen, es wurde jedoch im Beschluss, den Bebauungsplan auszulegen, noch nicht aufgenommen, da auch erst die Ergebnisse eines Gutachtens abgewartet werden müssen. Der Bürgermeister versprach allerdings, sich persönlich mit den 4 Großgrundbesitzern um Mörlbach zu besprechen, ob nicht auf deren Grund eine andere Lösung zu finden wäre. Allerdings sei die Hälfte der Besitzer erfahrungsgemäß zu keinen Gesprächen bereit.

Dann wurde noch dem “Verschmelzungsvertragsentwurf” (was für ein Wort) der Volkshochschulen Starnberger See und Herrsching zugestimmt. Nach der nicht-öffentlichen Sitzung ging es pünktlich zur zweiten Halbzeit nach Hause.

 

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