Die Berger Fastenpredigt

Nicht Bruder Barnabas, sondern Bruder Christian nutzte in der vorösterlichen Zeit die Bühne des Gasthofs Die Post, um eine Fastenpredigt zu halten. Unter dem Video der Fastenpredigt finden Sie sicherheitshalber eine Übersetzung aus dem Bayerischen ins Hochdeutsche. Bühne frei für Christian Kalinke!

Liebe Berger und Bergerinnen, liebe Faster und Fasterinnen,

wie es sich für eine Fastenpredigt gehört, starten wir mit dem Politiker-Derblecken, und danach gebe ich ein paar Beispiele, warum die Schöpfung Gottes in unserer Gemeinde ein Eigenleben führt.

Wir beginnen mit der Kommunalpolitik.

Vor ca. einem Jahr haben wir eine Kommunalwahl gehabt, und es gibt zahlreiche neue Gesichter im lokalen Politikgeschehen. Der Bürgermeister ist neu. Rupert der Zweite. Er ist schlau und will nicht alle Fehler selber machen. Deshalb hat er eine Bürgerbeteiligung ausgerufen, damit auch andere eine Chance haben. Sein Vorgänger Rupert der Erste hat seine Aufgabe sehr ordentlich gemacht, aber er hätte so viel Basisdemokratie niemals zugelassen. Der war lieber für die Hinterzimmer-Diplomatie. Aber das kann ja noch werden. Rupert der Zweite ist halt noch neu.

Auch im Gemeinderat hat sich viel getan. Das ist nicht mehr so wie früher, wo im Gemeinderat „de da hocka, de oiwei da hocka“. Da haben wir zuerst die 5 Gemeinderäte von der CSU. Die CSU ist ja in Berg so eine Möchtegern-Partei. Nur mit 25% der Mandate kann man sich halt nicht so aufspielen wie die Landtags-CSU. Darüber hinaus hat Robert Schmid bei der Bürgermeister-Wahl feststellen müssen, dass er kein Markus Söder ist. Dann haben wir die QUH, von der die Berger immer noch nicht wissen, was das eigentlich ist. Bunt ist sie jedenfalls. Literati Link, Provokati Ammer, Rasenbaron Kalinke – und ein junger Wilder namens Jonas ist auch noch dabei. Jeder ein Kapitel für sich. Da mag was rauskommen. Kommen wir zur Einigkeit. Die ist etwas gerupft, und sie haben Phantomschmerzen. Rupert der Erste ist nicht mehr dabei. Jetzt müssen die Gemeinderäte der Einigkeit selber denken und entscheiden. Aber vielleicht kann ja Ruperts Filius Stefan die Monn-Dynastie noch retten? Jetzt wird es grün. Diese Partei ist ganz schön im Aufwind. Mega würde die Grünen Chefin im Landtag Kati Schulze sagen. Ich verstehe es nicht, dass man mit Blumen- und Streuobstwiesen so einen Wirbel machen kann. Nachdem der Ur-Grüne und Senior-Biobauer Steffe Mair nicht mehr dabei ist, droht uns Bergern wahrscheinlich ein Veggieday. Traurig, aber wahr. Nur noch Hänsel und Gretel in der SPD. Im richtigen Leben heißen die Werner und Sissi. Man trifft sie meistens auf dem Fahrrad. Kein Wunder, dass die keine Zeit mehr für die Kommunalpolitik haben. Sind jetzt alle zusammen? Nein, da gibt es ja noch die „Adabeis“ von Bürgergemeinschaft und FDP. Von denen weiß man auch nicht so recht, wo die eigentlich hingehören. „Ja mei, für alle was dabei“ kann man da nur sagen. Der überwiegend neue Gemeinderat wird schon noch merken, dass die Berger gerne mit ihren Rechtsanwälten drohen und ihnen die Probleme der Gemeinde aufs Brot schmieren.

Was auch immer passiert: Hoffentlich gibt es nicht noch mehr Zombie-Siedlungen, hoffentlich bekommen wir einen schönen Steigenberger-Palast, hoffentlich gibt es mehr bezahlbaren Wohnraum, damit die jungen Berger nicht verschwinden müssen, und hoffentlich wird das Berger Vereinsleben revitalisiert.

Nun zur Frage, warum die Schöpfung Gottes in unserer Gemeinde Berg ein Eigenleben führt. Darüber könnte ich jetzt stundenlang reden, aber folgende 3 Beispiele aus Bergs Pflanzen-, Tier- und Menschenwelt sollen genügen:

1. Pflanzen am Beispiel von Gärten des Grauens
Wie erwähnt, haben wir schon viel zu viele Zombie-Siedlungen. Dort finden wir die typischen 5 qm Gärten, umrahmt von mannshohen Hecken. Meist Thujen oder Kirschlorbeer. Nistende Vögel sucht man da vergebens. Stellt man sich auf Zehenspitzen, sieht man da Marsmänner in Ganzkörper-Kondomen. Diese bringen viele chemische und biologische Kampfstoffe zum Einsatz. Hinzu kommt die Geräuschkulisse. Sie wird von Kettensägen, Turbohäckslern und Laubbläsern geprägt. Ziel ist es, alles zu vernichten, was den Garten zum Leben erweckt. Einige haben aber den ständigen Kampf zwischen Mensch und Natur schon aufgegeben und sich einen pflanzlosen Schottergarten angelegt. Im Volksmund „Gärten des Grauens“ genannt. „Wie der Garten, so der Mensch“ heißt es. Liebe Berger, da können Sie sich ja schon mal auf was gefasst machen.

2. Tiere am Beispiel von ungezähmten Hunden
Wenn man die wachsende Anzahl von Dackeln, Doggen, Dalmatinern und anderen Hunden so anschaut, dann wird es langsam eng auf Bergs beliebten Wanderwegen. Da treffen herumjagende Hundeherden auf verängstigte Spaziergänger und Passanten. Mit knurrenden, bellenden und keuchenden Hunden kann man ja noch leben. Aber häufig läuft das Spiel nach folgendem Muster ab. Dir kommt geballte Hundemacht mit Tempo entgegen und der Halter ruft von Weitem: „Der tut nix“. Die Absicht des Hundes wird immer deutlicher, und Herrchen oder Frauchen warnen: „Vorsicht, der Hund ist schmutzig und nass“. Aha! Wenn der Hund dann zum Sprung ansetzt, heißt es: „Keine Sorge, der will nur spielen“.
Hast Du die Attacke am Boden liegend überstanden, folgt der Kommentar: „Das hat der Waldi ja noch nie gemacht“. Regst Du Dich auf, wirst Du aufgeklärt. Tierwohl ist Gemeinwohl und man solle sich entspannen. Diese Sorte Tierhalter sehen es ja auch als Gemeinwohl an, wenn der Hund in die Kuhwiese kackt. Liegt ja nicht auf dem Gehweg! Wenn es stimmt, dass Hunde die Charaktereigenschaften ihrer Besitzer annehmen, dann hilft nur noch, die Hundehalter zu segnen.

3. Menschen am Beispiel von Öko-Salon-Damen
Nachdem einige Berger es geschafft haben, die Pflanzen- und Tierwelt von Gottes Schöpfung zu entfernen, gelingt das auch bei der eigenen Spezies. An Beispielen mangelt es nicht, aber man möge es mir verzeihen, wenn ich diesmal die unvergleichlichen Öko-Salon-Damen herausgegriffen habe. Man sieht sie schon von Weitem mit ihren 3 Tonner SUV bei den einschlägigen Cafés vorfahren. Öko ist der Hybrid, selbst wenn die Damen oft nicht wissen, wie der Elektrobetrieb einzuschalten ist. Der Kleidungsstil ist so hässlich, das er alle paar Wochen gewechselt werden muss. Auffällig sind auch ihre Essensgewohnheiten. Natürlich vegetarisch. Es wird nichts gegessen, was einen Schatten wirft. Der Chiasamen-Pudding wird erst mal ausgependelt. Zu trinken gibt es Granderwasser, und der Milchschaum vom abschließenden Cappuccino muss linksgedreht sein.
Wehe, du zuzelst eine Weißwurst am Nebentisch. Dann wirst Du gemustert, als hättest Du Dein Leben nicht im Griff. Wenn ich den Damen so lausche, höre ich häufig von Influencern. Ich denke dann, das muss ganz schön ansteckend sein. Was die alles für Krankheiten haben. Die haben Hermes, Gucci und Prada. Ich wusste gar nicht, dass die so krank sind. Diese Krankheiten werden dann austherapiert mit Hund, Puma und Kobra sowie Pilatus, Ping Pong und Datschi. Hat etwas gedauert, bis ich verstanden habe, dass es um Figuren im Yoga geht.  Und Pilatus ist Pilates, Ping Pong ist Chi Gong und Datschi ist Tai Chi.

Ja liebe Berger und Bergerinnen, ich komme nun zum Ende. Vielleicht haben sie es ja bemerkt. Diese Fastenpredigt war coronafrei. Mit Absicht. Es gibt auch ein Leben neben der Pandemie.
Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und hoffentlich die Erkenntnis, dass Lokalpolitiker auch nur Menschen sind und wir Berger uns keinesfalls als Krönung von Gottes Schöpfung betrachten sollten.
Nix für ungut!
Beste Grüße und ein Dank an die Unterstützer dieser Fastenpredigt von Andy Ammer, Benno Hagenbucher, Jörn Kachelriess bis zum Team des Gasthofes zur Post.
Christian Kalinke

 

Kommentieren (1)

  1. Sissi Fuchsenberger
    30. März 2021 um 10:56

    Lieber Fastenprediger Christian,
    es gibt Leute, die viel Wind machen und nix bewegen. Und es gibt die anderen, die viel radeln, dabei viel sehen, was verbessert werden soll, viele konstruktive Vorschläge machen und diese auch durchsetzen.
    Herzliche Grüße von Hänsel & Gretel

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