Verborgene Talente: Josef Obermaier und die Landshuter Hochzeit

Neulich auf der Aufkirchner Maifeier: So mancher drehte den Kopf nach dem Aufkirchner Josef Obermaier um, dem statt seines sonst so akkuraten Haarschnitts lang gewachsene Strähnen unter der Kappe hervorquollen. War er zum Hippie geworden? Hatte er sich einer bestimmten Yoga-Richtung verschrieben? Weit gefehlt – der Grund ist die Landshuter Hochzeit.

Josef Obermaier

QUH: Josef, neulich auf der Maifeier in Aufkirchen haben viele gedacht, du wärst zum Hippie geworden. Was hat es mit deiner neuen Haartracht auf sich?
Josef Obermaier: Ich spiele bei der „Landshuter Hochzeit“ mit. Bei dieser Veranstaltung ist alles authentisch. Auch die mittelalterliche Haartracht ist echt. Daher sieht man überall in Landshut Männer mit wilden Mähnen herumlaufen. Mein Outfit ist dagegen harmlos.

Die Landshuter Hochzeit (c) Die Förderer e.V.

QUH: Die Landshuter Hochzeit? Kannst du darüber etwas erzählen?
Josef Obermaier: Landshut spielt ein Fest nach, das hier 1475 im Mittelalter stattgefunden hat. Anlässlich der Vermählung seines Sohnes hielt der Landshuter Herzog Ludwig der Reiche die ganze Stadt eine Woche lang frei. Wer in der Stadt war, konnte tagelang umsonst essen und erinken. Es gilt als das größte Fest des Mittelalters. Heute ist die Landshuter Hochzeit das größte historische Fest Europas, ausgezeichnet als „immaterielles Kulturerbe“. Die Landshuter Hochzeit fand das letzte Mal vor 6 Jahren, also 2017, statt.

Als Bräutigam mit Braut

QUH: Und wie kommst du dazu, dabei mitzuwirken?
Josef Obermaier: Ich bin in Landshut aufgewachsen und nehme seit meiner Jugend an der Aufführung teil. Mit 20 Jahren spielte ich die Hauptrolle, den Bräutigam, der „Prinz“.

 

Als Prinz auf der Burg

In dieser Position darf man wählen, welche Rolle man in der nächsten Aufführung übernehmen möchte. Ich wollte Ritter werden und war dann Ritter zu Pferd im Umzug.

 

Als Ritter auf dem Plakat von 1989

 

Als Turniervogt 1985-2005

Danach übernahm ich die Rolle als Leiter des Ritterturniers, der Turniervogt. Diese Rolle hatte ich 20 Jahre lang, von 1985 bis 2005. Da wir damals schon in Aufkirchen wohnten, war das nicht weiter aufrechtzuerhalten. Nur Landshuter können bei der Landshuter Hochzeit mitspielen. Als ehemaliger Bräutigam verdanke ich es einer Ausnahmeregel, dass ich doch noch dabei sein kann. Ich engagiere mich aber auch darüber hinaus durch Vorträge etc.

 

Als Turniervogt mit gepanzertem Pferd (1985 – 2005)

QUH: Wie läuft die Hochzeit ab?
Josef Obermaier: Der Höhepunkt ist der Umzug, der an den 4 Sonntagen stattfindet. 2.500 Teilnehmer in originalgetreuen mittelalterlichen Kostümen ziehen durch die Landshuter Altstadt. Man benötigt keine Eintrittskarten für diese Veranstaltung. Dann gibt es von Freitag bis Sonntag jeweils ein mittelalterliches Lager, der Eintritt kostet nur 3,50 €. In der Altstadt sind Tribünen aufgebaut, auf denen Tag und Nacht gefeiert wird. Man geht einfach in die Stadt und ist direkt dabei. Darüber hinaus gibt es viele einzelne Veranstaltungen, insbesondere an den Sonntagen das Ritterturnier, zu denen aber die Karten bereits lange Zeit im voraus verkauft wurden.

QUH: Wann findet sie statt?
Josef Obermaier: Die Landshuter Hochzeit findet von Freitag, den 30. Juni bis zum Sonntag, den 23. Juli 2023 statt und geht über 4 Wochenenden.

Die Haare im Einsatz

QUH: Wirst du dir die Haare danach wieder abschneiden lassen?
Josef Obermaier: Natürlich sind die langen Haare für die Mitwirkenden eine große Beeinträchtigung, besonders wenn man sich beruflich oder im Urlaub außerhalb von Landshut befindet. Daher findet in Landshut und auch bei mir am 24. Juli das große Haareschneiden statt. Die soziale Komponente finde ich noch wichtig. Jeder Mitwirkende leistet seinen persönlichen Beitrag mit dem Ziel, gemeinsam eine gelungene Veranstaltung abzuliefern. Über die 3 Wochen der Aufführung und die monatelangen Proben entsteht ein außergewöhnliches Gemeinschaftsgefühl, das sich auch über die Veranstaltung hinaus in der Stadt erhält und spürbar ist.
QUH: Dann toi toi toi für die Aufführung und vielen Dank für das Interview!

So sieht Josef übrigens aus, wenn nicht gerade Landshuter Hochzeit ist (Foto: H.-P. Höck)