Widerstand gegen den Standort des Wohnzentrums Osterfeld

Kostengünstiges Wohnen in der Gemeinde Berg – beinahe ein Paradox. Der Berger Gemeinderat hatte daher bereits 2016 beschlossen, zwischen Aufkirchen und Aufhausen das “Wohnzentrum Osterfeld” zu bauen: 30 Wohnungen unterschiedlicher Größe im sozialen Wohnungsbau, umgesetzt vom Verband Wohnen. Nun regt sich Widerstand gegen den Standort, der sich im Landschaftsschutzgebiet befindet, aus der Bevölkerung – eine Unterschriftenliste fordert ein Bürgerbegehren.

Ende Idylle: Hier vor der Muttergotteskapelle soll das gut 50m lange, 3-stöckige “Wohnzentrum Osterfeld” entstehen

Zur Historie: Die Gemeinde Berg überließ dem Verband Wohnen – nach Prüfung geeigneter gemeindeeigener Grundstücke – die Fläche zwischen Aufkirchen und Aufhausen zu einem symbolischen Preis in Erbpacht für einen € pro Quadratmeter und Jahr. Das Grundstück bleibt im Besitz der Gemeinde. Bauherr und Betreiber des Projekts allerdings ist der Verband Wohnen. Das Vorhaben wurde europaweit ausgeschrieben. Lediglich drei Entwürfe trudelten ein, und mit keinem war man zufrieden, weder beim Verband Wohnen noch im Berger Gemeinderat. Und so wurde ein wenig nachgebessert, bis das Vorhaben gebilligt wurde.

Ein umweltspezifisches Gutachten stellte fest, dass Eingriffe in die Landschaft vertretbar seien und keine besonders schützenswerten Arten dort vorkommen. Auch der Umweltausschuss des letzten Kreistags billigte die Herausnahme aus dem Landschaftsschutzgebiet im März letzten Jahres. Dass das Ortsbild damit gravierend verändert wird, war eine Kröte, die zu schlucken die meisten – und auch die neuen – Gemeinderatsmitglieder zunächst bereit waren – allein Dr. Andreas Ammer (QUH) stimmte stets gegen das Projekt.

Nun hat sich eine Gruppe von Bürgerinnen und Bürgern zusammengefunden, die Unterschriften für ein Bürgerbegehren sammeln, um einen alternativen Standort für das Bauvorhaben durchzusetzen. Der Erhalt des Landschaftsbilds ist das Hauptargument. Wegen ihm steht das Grundstück unter Landschaftsschutz. Lieber sähe die Initiative das Projekt auf der gegenüberliegenden Seite der Straße, an der Oberlandstraße, gegenüber der Einfahrt Am Heimrathof. Dadurch soll der Blick Richtung Farchach samt den Wiesenflächen geschützt werden. Auch das Zusammenwachsen von Ortsteilen, das sonst tunlichst vermieden wird, könnte so verhindert werden.

Ein alternativer Situierungsvorschlag (rechts) der Farchacher Landschaftsarchitektin Ingrid Liebald

Die Gemeinde argumentiert anders: Die Häuser würden auf dieser Seite der Straße noch prominenter aufragen, da sie nicht in die Senke unterhalb der Himmelmutterkapelle gebaut würden. Zudem sei auf dieser Seite ein Regionaler Grünzug eingetragen. Der Fußweg zu den Aufkirchner Geschäften, zur Schule, zum Kindergarten und zum Spielplatz würde die Bewohner dann über die Staatsstraße führen. Laut Bürgermeister Steigenberger wäre das Vorhaben auch nicht 1:1 auf die andere Seite übertragbar – die bisher angefallenen Kosten in sechsstelliger Höhe wären zum Großteil ebenfalls nicht anzurechnen.

Bislang wurden von Dr. German Schmidt und Rainer Plaschka, unterstützt von Ingrid Liebald, gut ein Drittel der erforderlichen 630 Unterschriften für das Projekt gesammelt. Über 200 Bürger sollen bereits unterschrieben haben. Falls Sie auch unterschreiben wollen – den Vordruck gibt es zum download hier: Buergerbegehren_Wohnzentrum am Osterfeld_Unterschirftenliste

Diese Planung wurde 2018 auf der Bürgerversammlung vorgestellt 

Zuvor hatte es im Rat quer durch die Fraktionen einigen Unmut gegeben: Die QUH berichtete damals; “Die Gemeinderäte Gastl (CSU), Galloth (SPD) und Ammer (QUH) waren mit der Situierung der Gebäude nicht einverstanden und bemängelten, daß die Sichtachse ins Tal hinunter – anders als vor einem Jahr versprochen – nicht im Geringsten frei gehalten worden sei. “Einen Tod müsse man sterben” antwortete darauf ungerührt der Bürgermeister und GR Hlavaty meinte, – ganz im Sinne der Söderschen Flächenfraßideologie – dass ihm die 5 Sekunden, die er beim Vorbeifahren ins Tal schaue, auch egal seien. – Das Tal ist also in den Brunnen gefallen.” (vgl. unseren Artikel vom April 2018: https://quh-berg.de/nix-mehr-die-6-sitzung-des-berger-gemeinderate/ )

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