120 Künstler … 10 Jahre … 1 Veranstaltung

Es waren schon die ganz Großen da – so wie der derzeit mit seiner Säulenhalle STOA Furore machende Künstler Bernd Zimmer. Oder auch die ganz berühmten wie der als Loriot bekannte Vicco von Bülow oder (ebenfalls posthum) der grandiose Rotmaler Rupprecht Geiger (mit Werken aus einer Berger Privatsammlung).

Es waren die lokalen Künstler da und zunehmend auch überregionale: 12 mal im Jahr und das schon seit 10 Jahren … jeweils am zweiten Mittwoch im Monat … stets so kundig wie launig eingeführt und ausgewählt von der Berger Kuratorin Katja Sebald und begleitet von einem literarischen Text zu Brot und Wein, den die gastgebende evangelische Kirchengemeinde beisteuert: Die Berger Veranstaltung “Kunstwerk des Monats” tritt langsam in das Legendenstadium ein. Zum Jubiläum wird Sophia Hößle aus Icking präsentiert:

Immer im Januar gibt es eine “Hommage” an verstorbene Künstler … diesmal an die 2019 verstorbene Ickinger Malerin & Bildhauerin Sophia Hößle (Bild aus Berger Privatsammlung)

Katja Sebald trotz sogar der Krise: Ab heute, Mittwoch Abend; sind in einem Fenster des Katharina-von-Bora-Hauses in Berg zwei Skulpturen der Bildhauerin Sophia Hößle aus Irschenhausen zu sehen. Sie werden täglich von 16.30 bis 21 Uhr beleuchtet und können vor Ort am Fischackerweg 10 in Berg besichtigt werden.

Die beliebte Vernissage wird – wie derzeit alle Veranstaltungen – digital stattfinden. Es gibt eine Online-Präsentation, für die der Schauspieler Wowo Habdank eines der Gedichte vorlesen wird, die Rainer Maria Rilke in Irschenhausen schrieb. Zu sehen ab 13. Januar 2021 um 19.30 Uhr unter den Adressen: berg-evangelisch.de, kulturverein-berg.de, sophiahoessle.de und katjasebald.de Nur für Brot und Wein muss man daheim alleine sorgen.

Wir erinnern uns an die vielen schönen Abende, Künstler und Kunstwerke, die uns Katja Sebald hier schon präsentiert hat …


120 Veranstaltungen in 10 Jahren hat Katja Sebald kuratiert

… freuen uns, dass die Veranstaltung (unterstützt von der Gemeine Berg und dem Kulturverein) selbst den größten Krisen trotzt und präsentieren noch einmal ein nettes Gespräch, dass wir mit Katja 2019 anlässlich ihrer 100. Veranstaltung geführt haben.

Katja Sebald, Bergs führende Kuratorin
QUH: Hallo Katja … Es sind die 3 magischen Ks, die es zu feiern gilt: Katja zeigt Kunst in der Kirche. Wie kam es dazu?
Katja Sebald: Dazu muss ich als erstes sagen: Das bin ja nicht ich alleine, sondern der Kulturverein, die Kirchengemeinde, die Gemeinde Berg, die etwas aus ihrem Kulturetat   beisteuert und ein Team aus ehrenamtlichen Helfern. „Schuld“ an allem war allerdings Johannes Habdank, der 2011 als neuer Pfarrer von Berg bei kulturellen Ereignissen die Gelegenheit nutzen wollte, mit eher kirchenfernen „Kunden“ ins Gespräch zu kommen. Und weil meine Tochter in dem Jahr Konfirmation hatte, konnte ich nicht nein sagen, als er mich fragte, ob ich eine oder mehrere Ausstellungen im Gemeindehaus organisieren würde.

QUH: Der andere Dreiklang lautet auf W: es gibt jeweils ein Werk, etwas Wein und einige Worte Lesung?
Katja Sebald: Das Ganze war ursprünglich nur für ein Jahr konzipiert. Es sollte eine bewusst kleine und auch „schlanke“ Veranstaltungsreihe sein, die von der Kirchengemeinde, zwar mit der professionellen Unterstützung einer Kunsthistorikerin und einer Werbeagentur (Yearning übrigens…) für den Flyer, ansonsten aber aus eigenen Kräften bewältigt werden kann: nur ein Werk, nur Brot und Wein. Und ich wollte auf keinen Fall mit den üblichen wuchtigen Kunsterklärungsreden das Publikum erschlagen. Deshalb die Idee, einen kleinen – meist literarischen – Text zu lesen, der einen Raum zwischen der Kunst und ihren Betrachtern öffnet.

QUH: Es braucht keinen kirchlichen Bezug?
Katja Sebald: Es wäre sehr langweilig, wenn wir nur das das zeigen würden, was üblicherweise in evangelischen Kirchen an der Wand hängt. Aber ich bin davon überzeugt, dass sowohl Kirche als auch Kunst sich in unserer Zeit mit gesellschaftlich relevanten Fragestellungen beschäftigen müssen. Es ist mir ein großes Anliegen, mit meiner Arbeit Künstler, Kulturschaffende und Kunstinteressierte zu vernetzen und Menschen über zeitgenössische Kunst miteinander ins Gespräch bringen. Und ich mag es, wenn Menschen von Kunst an Orten „überrumpelt“ werden, an denen sie nicht damit rechnen. 
QUH:  Was war eine Ausstellung, an die du dich besonders gern erinnerst?
Katja Sebald: Es gibt sehr viele, an die ich mich gerne erinnere. Zum Beispiel an die Installation „Unterwegs“ von Matthais Rodach: Ein lebensgroßer Fährmann von enormer Präsenz auf der Empore, drumherum ein Meer aus Altkleidern. Das war 2015, in Berg waren gerade die ersten Flüchtlinge angekommen. Die dachten, man hätte die Kleidungstücke für sie ausgebreitet und sie dürften sich bedienen. Sehr eindrucksvoll war auch der Abend mit Hans Panschar, an dem sich praktisch ganz Berg im Katharina-von-Bora-Haus versammelt hatte. Und natürlich die Veranstaltung mit Bernd Zimmer, der gleich mehrere seiner riesigen Bilder nach Berg brachte. 
Bernd Zimmer, der ehemals “Junge Wilde” war 2017 zu Gast beim “Kunstwerk des Monats”
QUH: Mal groß gedacht: Wenn du wirklich auswählen könntest, wen würdest du von den großen Weltkünstlern nach Berg holen?
Katja Sebald: Das ist eine schwierige Frage. Zum einen waren ja wirklich schon einige große Künstler in Berg. Mit Heinrich Kirchner und erst recht mit Rupprecht Geiger habe ich mir einen Lebenstraum erfüllt. Beide Künstler waren für mich ausschlaggebend, mich überhaupt mit Kunst zu beschäftigen. Ich finde, die großen Namen sollten nicht die eigentliche Begegnung mit dem Kunstwerk überschatten. Und außerdem habe ich immer schlaflose Nächte, wenn die Kunstwerke zu wertvoll sind… Aber wenn ich mir etwas wünschen dürfte, dann würde ich Daniel Spoerri einladen, auch weil ich ihn schon immer persönlich kennenlernen wollte. Und weil ich schon immer mal sein „Arm-Reich-Essen“ nachmachen wollte – vielleicht schaffe ich das ja noch. 
2018 holte Katja die leuchtende Legende der abstrakten Malerei, Rupprecht Geiger, posthum nach Berg 
QUH: Werden dir irgendwann die Künstler ausgehen?
Katja Sebald: Bis jetzt war es so: Immer, wenn sich ganz leise Ermüdungserscheinungen eingeschlichen hatten, war die nächste Veranstaltung wieder so toll, dass ich mit Begeisterung weitergemacht habe. Es ist ja jedes Mal anders, weil jeder Künstler neue Besucher mitbringt. Auch der Raum verändert sich mit dem jeweils neuen Kunstwerk völlig.
QUH: Katja, wir danken dir für das Gespräch und für dein Engagement und wünschen uns von dir noch ganz viele “Kunstwerke” und freuen uns, daß es weiter geht!

Kommentieren (1)

  1. Gast
    13. Januar 2021 um 17:20

    Die 3 großen G! Gespür, hinGabe, Großeliebezurkunst! Gratuliere!

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