Wetten, dass?

Der Grundschullehrer Raphaël Haas, der an der Oskar Maria Graf Schule in Aufkirchen die Klasse 3a unterrichtet, hat eine Wette verloren. Aber gibt es überhaupt Gewinner und Verlierer dabei? Worum ging es?

Raphaël Haas

QUH: Wir haben gehört, Sie haben eine Wette verloren – was war das denn für eine Wette und was war der Einsatz?
Raphaël Haas: Unsere Grundschule hat am Stadtradeln teilgenommen. Anfangs war die Beteiligung in meiner Klasse allerdings noch eher gering. Deshalb habe ich überl egt, wie ich die Kinder zusätzlich motivieren könnte, und so ist die Idee für die Wette entstanden.
Die Wette war ganz einfach: Wenn die Klasse insgesamt mehr Kilometer mit dem Fahrrad fährt als ich, dürfen die Kinder einen Tag lang den Unterricht selbst gestalten. Falls ich gewinne, sollten sie für einen Tag die – ohnehin schon – vorbildlichsten Schülerinnen und Schüler der Welt sein.
Am Ende haben die Kinder die Wette gewonnen. Seitdem die Wette lief, sind die Zahlen regelrecht explodiert. Die Kinder waren unglaublich motiviert und sind in ihrer Freizeit und auf dem Schulweg sehr viel Fahrrad gefahren. Das war natürlich genau das Ziel der Aktion.

QUH: Ja, die Kinder haben 636,6 km geschafft und Sie “nur” 513,9 km. Aber egal – das ist eine so tolle Idee, dabei kann es ja eigentlich gar keinen Sieger und Verlierer geben – die Kinder haben sich bestimmt sehr gefreut! Was werden sie an dem Tag machen, wissen Sie das schon?
Raphaël Haas: Ich glaube tatsächlich, dass es bei dieser Wette nur Gewinner gibt. Die Kinder hatten jede Menge Spaß, waren gemeinsam aktiv und haben ganz nebenbei etwas für ihre Gesundheit und die Umwelt getan.
Die Freude über den Sieg war natürlich riesig. Den „Unterrichtstag“ werden wir gemeinsam planen. Die Kinder dürfen Ideen einbringen und den Tag selbst gestalten – ich bin schon sehr gespannt, was sie sich alles einfallen lassen.

QUH: Sie haben ein Rennrad und scheinen viel damit unterwegs zu sein – ob die Kinder wohl auch weiter so radeln werden? Werden Sie das noch mal im Unterricht thematisieren?
Raphaël Haas: Ich hoffe sehr, dass die Aktion nachhaltig wirkt. Mir ist wichtig, den Kindern zu zeigen, dass das Fahrrad eine tolle Möglichkeit ist, zur Schule oder in der Freizeit unterwegs zu sein. Man bewegt sich, ist an der frischen Luft und kann viele Wege ganz unkompliziert mit dem Rad zurücklegen.
Während des Stadtradelns haben wir das Thema immer wieder in den Unterricht eingebaut. Wir haben die gefahrenen Kilometer ausgewertet, mit den Zahlen gerechnet, Vergleiche angestellt und uns über unsere Touren ausgetauscht. Das hat den Kindern großen Spaß gemacht. Ich kann mir gut vorstellen, das Thema auch künftig immer wieder aufzugreifen und die Kinder weiter zum Radfahren zu motivieren.

QUH: Tausend Dank für das Interview und viel Spaß noch beim Radeln – und Ihnen und den Kindern natürlich beim Kinderunterricht!

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