Was macht der japanische Prinz in Berg?

Heute, Samstag, findet im Rahmen der Berger 1200er Festwochen und der Ausstellung der Künstler der Ateliertage um 19 Uhr 30 bei freiem Eintritt eine Lesung mit Geschichten aus der unveröffentlichten, aber sagenumwobenen Chronik des bekannten Bergers Paul Huber statt.

Paul Huber (1886-1952), nach dem auch das Neubaugebiet “Am Huberfeld” benannt ist war ein wohlhabender Bauer auf dem größten Hof Bergs, dem abgerissenen Schatzlhof. Von 1926 bis 1933 war er Bürgermeister in Berg. Weil er sich bei der Machtergreifung der Nazis weigerte, der Partei oder einer anderen NSDAP nahen Organisation beizutreten musste er als Bürgermeister zurücktreten. Über die Zeit in Berg von 1933 bis 1938 verfasst er eine bisher unveröffentlichte Chronik „Die andere Seite“, in der er „die Zustände, die das Dritte Reich gebracht hat, von dem kleinen Gesichtswinkel seines Heimatdorfes und der näheren Umgebung desselben“ (O-Ton Huber) beschreibt. Tatsächlich liefert er eine detaillierte Schilderung von Korruption, Vetternwirtschaft, Vertuschung und Bedrohung auf lokaler Ebene. Es wird klar, wie die Nazis in Berg Machtergreifung, Gleichschaltung und Wahlbetrug organisierten.

Huber war bekannt mit Oskar Maria Graf, und blieb auch in Amerika schriftlich im Kontakt mit ihm. Manche Berger Ereignisse finden sich von beiden beschrieben.

1946 wurde er als Bürgermeister wiedergewählt, gab dieses Amt aber krankheitsbedingt für zwei Jahre an Michael Wammetsberger ab. Nach erneuter Wiederwahl versah er dieses Amt bis zu seinem Tod 1952.

In der Lesung „Der japanische Prinz auf dem Schatzlhof“, die der Breger Archivar und Gemeinderat Heinz Rothenfußer organisisert hat, geht es um wahre Ereignisse, die in dem Bauerndorf Berg zwischen 1914 und 1938 ereignet haben. Eines davon ist der Besuch des japanischen Prinzen, der auf dem Schatzlhof Erkenntnisse für die japanische Landwirtschaft gewinnen will. Es lesen unter anderem: Familie Galloth, Franz Sengl, Erika Schalper, Gustl Machnik, Heinz Rothenfußer.

Zeitungsbericht vom Besuch des japanischen Prinzen

Während der Ausstellung gibt es natürlich auch nochmal Gelegenheit, die Ausstellung der Berg/Ickinger Künstler zu besichtigen, die schon am Eröffnungsabend für viele erstaunte Gesichter gesorgt hat: Steht da wirklich die Johanniskapelle im Marstall?


Bürgermeister Rupert Steigenberger amüsiert sich köstlich in und über Hans Panschars Kunstwerk St. Johannis Baptist

Es gibt auch einige Werke, die sich von Berg aus mit der derzeitigen Weltlage beschäftigen: Andreas Huber beispielsweise photographierte seine Künstlerkollegen mit Langzeitbelichtung bei ihrer Reaktion auf die deutschen Waffenlieferungeen an die Ukraine.

Andreas Huber: Portraits der in Berg ausstelleenden Künster*innen

Die Ausstellung ist noch bis zur musikalischen Finisage am Sonntag um 19 Uhr täglich von 14-19 Uhr geöffnet (Eintritt frei). Das gesamte Programm der Berger Festwochen finden sie unter: http://www.berg1200.de .

 

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