Es war Doppelmord! Ein zweites Kreuz im Starnberger See zum Gedenken an Dr. Gudden!

Bitte beachten Sie bei der Lektüre des folgenden Artikels das Veröffentlichungsdatum (1. April 2024).

Berg bekommt ein neues, fortschrittliches Wahrzeichen. Auf Anregung einer Phalsbourger Delegation wird das König-Ludwig-Kreuz im Starnberger See um ein Doktor-Gudden-Kreuz ergänzt werden. Unter bisher noch nicht gänzlich geklärten Umständen waren der Ex-Monarch und der Wissenschaftler am 13. Juni 1886 im See ums Leben gekommen. Eine Schülergruppe aus Bergs Partnerstadt hat nun den Anstoß zu einem gerechten Gedenken gegeben:  Sie mahnten bei ihrem Besuch in Berg völlig zu Recht an, dass nicht nur der Ex-König, sondern auch der anerkannte Wissenschaftler Dr. Gudden ein Kreuz an seinem Todesort verdient habe.

So könnte die Gedenkstätte aussehen (Collage: QUH)

Manchmal braucht es den Blick von außen, damit das Offensichtliche klar wird. Wie der Starnberger Merkur letzte Woche berichtete, hatte die Delegation der Schüler aus Bergs Partnerstadt Phalsbourg beim Gespräch mit dem Bürgermeister sich verwundert gezeigt, dass in Berg zwar dem Ex-Monarchen Ludwig II., nicht jedoch seinem Leibarzt, dem anerkannten Wissenschaftler Dr. Gudden, gedacht werde.

Ausriss aus dem Starnberger Merkur von letzter Woche

Bürgermeister Rupert Steigenberger, der sehr um das gute Verhältnis zu Phalsbourg bemüht ist, nahm sich die Mahnung sofort zu Herzen und machte das Projekt zur Chefsache.So soll spätestens zum 200. Geburtstag von Dr. Bernhard von Gudden am 7. Juni dieses Jahres ein zweites Kreuz im See errichtet werden. “In der heutigen, aufgeklärten Zeit sollte es selbstverständlich sein, dass wir nicht nur ehemaligen Königen, sondern auch Personen der Wissenschaft gedenken“, heißt es in einer Presseerklärung. Ein erstes Kreuz war an dieser Stelle zuerst 1918 von Königstreuen errichtet worden. 1961 wurde schließlich das heutige, weltbekannte  Kreuz enthüllt. 1986 wurde es schon einmal abgesägt und wieder erneuert.

So wird es wieder sein: Feierliche Enthüllung des Kreuzes 1961 im Starnberger See

Die QUH begrüßt dieses Projekt ausdrücklich. Schon 2011 zum Todestag der beiden berühmten Männer erinnerte der heutige Berger Kulturbeauftragte Andreas Ammer in einem Artikel daran, dass an dieser Stelle des Sees am 13. Juni 1886 nicht nur ein König seinen Tod fand. Er schrieb:

“An den König Ludwig erinnern ein weltbekanntes Kreuz im See und eine Votivkapelle. An diesem Wochenende gedenken seiner allerorts die offiziellen Stellen, ein ganzes Dorf und halb Bayern. An Ludwigs Opfer, das seine ärztliche Fürsorge mit dem Leben bezahlte, an den fortschrittlichen Psychiater Dr. Gudden, erinnert am Münchner Ostfriedhof (Grabmauer links Nr. 5) nur ein schmuckloser Familiengrabstein.”

Der schmucklose Grabstein von Dr. Bernhard Gudden in München

Auch die Guglmänner bekommen durch das Projekt neuen Rückenwind: “Es war Doppelmord!”, lautet ihr jüngster Kampfspruch. Sie plädieren jetzt nicht nur für die Öffnung des Sarkophags von Ludwig II., sondern auch für die Exhumierung seines Arztes.

Die Wittelsbacher hingegen reagierten auf das Ansinnen zunächst zögerlich. Erst der Umstand, das Dr. Bernhard von Gudden 1875 von König Ludwig II. persönlich in den Adelsstand erhoben worden war, konnte auch sie von dem Projekt überzeugen.

Sie gaben den Ausschlag: Schüler*innen aus Phalsbourg zu Besuch beim Berger Bürgermeister (Foto: Gemeinde Berg)

Medizingeschichtlich erregte Prof. Dr. von Gudden Aufsehen, weil er ein überzeugter Verfechter des “No-Restraint-Prinzips” in der Psychiatrie war. Das heißt: Anders als damals üblich versuchte er, geisteskranke Patienten ohne alle Zwangsmaßnahmen und ohne körperliche Misshandlung zu therapieren. Wahrscheinlich wurde ihm diese liberale Haltung zum Verhängnis. Darüberhinaus war Gudden auch als Neuroanatom wegweisend. Er führte beispielsweise die Methode der Serienschnitte des Gehirns ein, die inzwischen in der Computer-Tomographie (CT) und der Magnet-Resonanz-Therapie (MRT) neue Aktualität bekommen haben. Viele der Guddenschen Prinzipen finden noch heute in der psychiatrischen Behandlung Anwendung.

Ein Portrait von Prof. Dr. von Gudden lesen Sie im QUH-Blog hier: https://quh-berg.de/zum-125-todestag-19472435/

Eine Rekonstruktion seiner Todesumstände hier: https://quh-berg.de/der-tote-vom-see-moerder-oder-opfer-dr-gudden-876867245/

Zwei Leichen, nur ein Kreuz? Endlich wird ihnen beiden gedacht:  

Am 14. Juni 1886 um 3 Uhr 10 fand der “Leibfischer” des Königs, Jacob Lidl, zusammen mit dem Schlossverwalter Huber und dem Nervenarzt Dr. Müller die im See treibenden Leichen von Prof. Dr, Bernhard von Gudden und dem Ex-König Ludwig. Der Ex-König im Hemd. Die völlig bekleidete Leiche Guddens treibt “eine Tischlänge” dahinter. An der rechten Stirnseite des Arztes  findet sich eine Schlagwunde, die Indizien sprechen dafür, dass er von seinem Patienten erschlagen wurde.

Kommentieren (1)

  1. Für Ludwig II in Liebe
    2. April 2024 um 12:25

    Diesem Gudden, der die Unverschämtheit besessen hat, entgegen seinem Amtseid, ein schändliches und falsches Gefälligkeitsgutachten zu erstellen, ohne den Patienten überhaupt begutachtet zu haben und damit einen der genialsten Menschen die jemals auf dieser Welt gelebt haben, als Verrückten zu erklären, jetzt auch noch ein Gedenkkreuz aufstellen zu lassen, darüber würde sich Ludwig II sicher im Grabe umdrehen und das schlägt der ganzen Vertuscherei den Boden aus.
    Hat man diesen franz. Jugendlichen auch nicht die Wahrheit erzählt sondern auch nur Lügen, wie sie
    nach Ludwig II Tod und bis heute überall verbreitet wurden. Ich kann nur hoffen, dass Gott diese
    Mörder und deren Auftraggeber schon seit deren Tod in der Hölle schmoren lässt.
    Und man sollte sich lieber dafür einsetzen die Auftraggeber dieses gemeinen Gutachtens ( u.a. Prinzregent Luitpold wie man aus Ludwigs II letzten Brief lesen kann und auch seine Söhne vorallem Ludwig III ) und diesem gemeinen Hochverrat an einem unschuldigen
    genialen Menschen und Naturschützer und diesem Mord an Ihm endlich einmal an den Pranger zustellen und die Wahrheit zu schreiben und nicht immer nur lügen.

    Und da sich Dr. Gudden für so eine Straftat missbrauchen hat lassen und dann sicher gemerkt hat, dass er damit einen Fehler gemacht hat, als er Ludwig dann persönlich kennengelernt hat, musste auch er weg.
    Aber ein Kreuz verdient dieser Mann trotzdem nicht für sein gemeines und falsches Gefälligkeitsgutachten, womit man dann Ludwig II abführen konnte, wie Jesus damals und zum Tode verurteilen konnte.
    Es läge an den Nachkommen dieses Unrecht endlich einmal aufzudecken, aber auch die verhindern
    dass der Sarg geöffnet werden darf, jede Mumie oder die Medicis alles darf untersucht werden aber Ludwig II nicht das verbieten die Nachkommen von Prinz Luitpold und seinen Söhnen, warum wohl?????