Ein Samstag vor 140 Jahren – Ein König stirbt: Folge 2 – 12. Juni

Folge zwei unserer Mniserie über die letzten Tage von König Ludwig II.. Heute mit seiner Gefangennahme, seiner letzten Reise, einer barmherzigen Posthalterin, dem Transport nach Berg und seinem vorletzten Mittagessen.

Was geschah mit dem König? (Abb. © QUH)

Der Zeitplan für den Transport von König Ludwig von Neuschwanstein nach Schloß Berg war vom Ministerrat abgesegnet: um 4 Uhr Nachts Abfahrt von Hohenschwangau, gegen Mittag Ankunft in Berg. Um Mitternacht war die zweite Fangkommission nach 10-stündiger Reise auf Neuschwanstein eingetroffen; diesmal kann sie ungehindert das Schloß betreten. Ein wachhabender Gendarm rät zur Eile: “Der König versucht, sich umzubringen.” Kammerdiener Mayr verrät: “Schon mehrmals hat er den Schlüssel zum Turm verlangt. Wahrscheinlich will er von dort in die Tiefe springen. Wir haben ihm gesagt, der Schlüssel sei verlegt.”

Nach offizieller Darstellung wird dem – sichtlich angetrunkenen – König nächtens eine Falle gestellt: Ihm wird gesagt, der Turmschlüssel sei gefunden; er stürmt zum Turm, dort erwartet ihn Dr. Gudden, der ebenfalls nicht mehr lange zu leben hat, mit den Worten: “Majestät sind von vier Irrenärzten begutachtet worden, und nach deren Ausspruch hat Prinz Luitpold die Regentschaft übernommen. Ich habe den Befehl, Majestät nach Schloß Berg zu begleiten, und zwar noch in dieser Nacht. Wenn Majestät befehlen, wird der Wagen um 4 abfahren.”

König Ludwig wird auf Schloß Neuschwanstein von Dr. Gudden festgenommen (Abb. © QUH)

Der König wird ins Schlafzimmer gebracht; dort erkennt er Dr. Gudden, den er vor 14 Jahren zum letzten Mal gesehen hatte, als er ihn persönlich in sein Amt berufen hatte.

Gegen 4 Uhr nachts beginnt planmäßig der Abtransport. Man fährt mit 4 Kutschen. In der dritten sitzt allein mit abmontierten Türgriffen der König.

Unterwegs werden 2x in Peißenberg und Steingaden die Pferde gewechselt. Um 9 Uhr 45 gibt es im Wald zwischen Weilheim und Seeshaupt eine viertelstündige Toilettenpause für den König. Beim letzten Pferdewechsel in Seeshaupt unterhält sich der König mit der dortigen Frau des Posthaalters Therese Vogl, die ihm ein Glas Wasser bringt.

Die Seeshaupter WirtinTherese Vogl überreicht dem König ein Glas Wasser (Abb. @ QUH)

“Danke! Danke! Danke!” antwortet Ludwig und flüstert Therese noch etwas zu, was zu Verschwörungstheorien um eine mögliche Befreiungsaktion geführt hat. Das berühmte Trinkglas wird von der Familie noch lange aufbewahrt:

“Bevor ins Wellengrab er sank
von Geistesnacht umhüllt,
nahm er daraus den letzten Trank
sein Wunsch ward ihm erfüllt.
Und eine Träne fiel hinein,
eine Perle soll dem Glas sie sein.”


Der legendäre letzte Halt (auf der Postkarte ist ein falsches Datum angegeben), der Halt fand am 12. Juni statt

Der Zug stoppt vor dem Eintreffen in Berg um 12 Uhr 30 noch ein letztes Mal in Leoni, wo für den König noch ein paar Semmeln gekauft werden. Inzwischen ist das ehemalige Schloß Berg zu einer improvisierten Heil- & Pflegeanstalt umgerüstet worden: Die Klinken wurden abgeschraubt, die Türen mit Gucklöchern versehen in die Fenster werden gerade Löcher für Gitterstäbe geschlagen.

Der König als Gefangener in seinem eigenen Schloß (Abb. © QUH)

Mittagessen um gibt es um 13.30. Die Menüfolge ist vom Leibkoch Theodor Hirneis genau überliefert: Es gab Rheinsalm, Kartoffeln, Rindfleisch mit Grünerbsen, Wasser statt Rotwein. Auf dem Tisch liegen nur stumpfe Messer. Das Geschirr wird auf geheime Botschaften untersucht.

Das Mittagessen von König Ludwig heute vor 140 Jahren (Abb. © QUH)

Nach dem Mittagessen, gegen 15 Uhr geht der König zu Bett und verlangt um Mitternacht geweckt zu werden. Der Arzt Dr. Müller verbietet das: “Majestät muss zur Ordnung gebracht werden, daß der Tag zum Tag und die Nacht zur Nacht gemacht wird.”

Durch Berg selbst patroulieren Gendarmen. Nach dem Bericht von Oskar Maria Graf ordnen sie an: “Ab heute ist es verboten, nach Einbruch der Dunkelheit die Straße zu betreten, Besuche zu machen oder sich in der Nähe der Schloßmauern oder oben am Parkzaun sehen zu lassen. Das ist streng untersagt.” Die Bevölkerung hält sich nicht daran. Auch auf dem See sind Kähne zu sehen, die vor dem Schloß auf und ab fahren. Oskar Maria Graf spottet: “Das Maul soll jeder halten, und unseren König wollen sie wegräumen?! Ganz insgeheim wollen sie ihn umbringen wie einen Lumpen! Diese Sippschaft!

Der König wird um Mitternacht nicht geweckt, wacht aber gegen 23.45 von selbst auf. Seine Kleider werden ihm verweigert. Er verlangt wenigstens nach Strümpfen, da ihm kalt sei. Er ißt ein Stück Brot und eine Orange.

Wie der 13. Juni verläuft und alles was wir darüber wissen, lesen Sie morgen an dieser Stelle. Heute nur soviel: Es wird nicht gut enden.

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