Der Klimanotstand

Die Berger Windräder werden für 2019 womöglich ein Rekordergebnis vermelden. Die umweltpolitisch aktive Stadt München hat hingegen gestern den “Klimanotstand” ausgerufen. Was immer das übertriebene Wort heißen mag: Verbunden ist es mit dem Vorsatz, bis 2035 “klimaneutral” zu sein. Letzteres bedeutet, entweder keine Triebhausgase zu produzieren oder sie zu kompensieren.

Für die QUH – Bergs erste klimaneutrale “Partei” – ist dieses Ziel seit langem schon “eh klar”. Für die Gemeinde Berg würde ein solches rein symbolisches Vorgehen wenig Sinn machen, da längst reale Tatsachen geschaffen wurden. Man kann mit solchen Forderungen auch schlecht Wahlkampf machen … denn in unserer kleinen Gemeinde wird – auch in diesem Jahr – mehr emissionsfreier Strom produziert als verbraucht wird.

Klimanotstand in Berg? – “Nein danke!” (Photo: Elke Link)

Und damit zur ersten guten Meldung des Tages: Die vier Berger Windräder werden ihr rechnerisches Jahressoll von ca 21 Millionen Kilowattstunden im vergangen Jahr 2019 weit überschreiten. Schon vorgestern, am 17.12. des Jahres, lag der Ertrag um 10% über diesem Wert bei bei über 23,5 Millionen Kilowattstunden. Die 160 Gesellschafter der Bürgerwind Berg GmbH & Co KG (darunter auch die Gemeinde Berg selbst) können sich somit sicher wieder über eine mindestens 5%ige Dividende freuen

Blick auf eine klimaneutrale Landschaft (Photo Elke Link)

Und es gibt eine weitere gute Nachricht: “Ab sofort” (!) kann man in Berg auch den Strom, der in diesen Kraftwerken gewonnen wird, “direkt” beziehen. Die Berger Windräder sind Teil des mittelfränkischen Anbieters “RegioGrünStrom” geworden (man findet die Berger Windräder bereits auf der Internetseite des Unternehmens aus Markt Erlbach hier: (https://www.regiogruenstrom.de/regiogruenstrom/, etwas runterscrollen). Die “Bürgerwind Berg” schreibt ihren Kommanditisten dazu: “Das Ziel dabei ist, eine regionale Energiewende zu schaffen und den Kreis aus Erzeugung und Verbrauch zu schließen. So können wir den verbrauchten Strom zeitgleich durch regionale Erneuerbare Energieanlagen erzeugen. Zeitgleich Strom erzeugen und verbrauchen ist das fehlende Puzzleteil, das die Energiewende langfreistig zu einem Gewinn für alle Beteiligten machen kann.”

Einige der Kabel, durch die der Strom aus den Berger WKAs ins Netz fließt.

Sobald es erste Erfahrungen mit diesem Anbieter gibt, werden wir natürlich darüber berichten. Zuerst die Rede war von der lokalen Vermarktung der Windräder auf der QUH-Veranstaltung im Sommer https://quh-berg.de/eigener-strom-aus-eigenen-anlagen/ Damals wollte man allerdings noch mit einem anderen – weiter entfernt liegenden – Anbieter zusammenarbeiten.

 

Kommentieren (5)

  1. Sepp Ballauf
    28. Dezember 2019 um 16:55

    Servus zusammen,

    Ihr schreibt vom rechnerischen Jahressoll von 21,0 Mio bei den 4 Windrädern. Genau so stand es bereits in der SZ und auch in der EUW Wahlkampf – Broschüre.

    Dazu möchte ich wie folgt bemerken:

    Basis für die Entscheidung des Berger Gemeinderates pro Errichtung der Windräder waren
    drei Gutachten, die von einem jährlichen Ertrag von ca. 28,7 Mio kW/h ausgingen. Noch während des Baus der Windräder wurde auf den Bautafeln der Ertrag mit 28,0 Mio KW/h angegeben. Das sind also die Zahlen, mit denen vor 4 Jahren gerechnet wurde.

    Der Eco Anlagecheck ist damals von hat 28,7 Mio KW/h… .. Ertrag …… ausgegangen, hat als Basis der Rediteberechnung zur Sicherheit ca 15 % abgezogen, was als sehr hoch bezeichnet wurde, und kam somit auf 24,465 Mio KW/h pro Jahr.

    Dieser Einschätzung schloss sich auch die Gemeinde Berg auf Ihrer Internetseite an. Dies war der allseits anerkannte Mindestertrag, um eine Rendite zu erzielen.

    Die Windräder haben in den vergangenen 4 Jahren ca. 88,5 Mio KW/h produziert, und liegen damit insgesamt nochmal ca. 10% unter dieser schon vorsichtigen Renditeberechnung. Es ist die Frage, wo die 4 oder 5 % Rendite – Zahlungen auf mittlere Sicht herkommen sollen. Die damaligen Gutachten angesetzt, liegt der Ertrag um 23 % daneben.

    Die Süddeutsche Zeitung schrieb am 21.02.2019 unter der Überschrift “Laues Lüftchen” noch wie folgt:

    “Der Jahrhundertsommer 2018 hat die Energiebilanz der vier Windräder … ..etwas verblasen. Statt der jährlich kalkulierten 24 Millionen Kilowattstunden …..produzierten die Windräder …..nur 20,6 Millionen Kilowattstunden. Damit lagen sie 14 Prozent unter der Prognose. Dennoch sollen die Anteilseigner der Bürgerwind Berg GmbH eine Ausschüttung von vier Prozent bekommen – wenn die Gesellschafterversammlung am 27. Juni zustimmt“

    Was damals völlig zurecht als “verblasen” galt, entspricht 10 Monate später dem “rechnerischen Jahressoll”.

    Windenergie ist aus meiner Sicht zu begrüssen, die Berger Windräder haben aber leider keinen optimalen Standort, und sind damit kein „wirtschaftlicher Erfolg”, wie ja jetzt letztlich auch die quh schreibt.

    Aus heutiger Sicht muss man den Kritikern der Windräder,die es ja auch im Gemeinderat gab,
    und zu denen ich auch damals nicht gehörte, mit Ihren Bedenken durchaus Recht geben.
    Sie bezeichneten die Gutachten damals als geschönt, etwa im Vergleich zu den Angaben aus dem Windatlas.

    Die Entscheidung pro Windkraft war eben auch und in erster Linie eine politische. Damit muss man jetzt leben, und die Räder werden ja auch noch einige Zeit stehen.

    Jetzt aber den Ertrag nachträglich schön zu reden, macht die Befürworter unglaubwürdig, und muss den Gegnern, die nicht nur in Berg, sondern auch in den Nachbargemeinden ganz schön zahlreich vorhanden sind, wie Hohn vorkommen. Das sollte man vermeiden.

    MfG

    Sepp Ballauf, Oimannshausen

  2. ammer
    30. Dezember 2019 um 22:07

    Lieber Sepp,

    danke für deinen ausführlichen Kommentar. Was du schreibst ist ist ein gravierender Einwand. Wir haben uns an die Informationen der Bürgerwind GmbH &Co KG gehalten und fragen sofort nach.

    andy ammer

  3. 12. Januar 2020 um 0:38

    Die Qühe sind seit Ende des Jahres verständlicherweise sehr mit sich selbst beschäftigt, das ist sicherlich auch der Grund, warum die angekündigte Antwort noch nicht erfolgt ist. Daher die Antwort auf die genannten Einwände von Sepp Ballauf jetzt von mir:
    Die Gutachten von ca. 28 GWh pro Jahr waren Basis der Anlagenprojektierung.
    Die wirtschaftliche Prognose im Verkaufsprospekt lautet nach Berücksichtigung eines Sicherheitsabschlags 24,5 GWh. Diese Prognose wurde in den Jahren 2017 und 2019 erreicht bzw. überschritten.
    Das windschwache Jahr 2018 hat diese Mittelwertsprognose unterschritten.
    Das erste Betriebsjahr 2016 war ebenfalls windschwach. Der technische Ertrag war zudem reduziert wegen Stillstandszeiten, die der Hersteller zu verantworten hatte. Diese Ausfälle hat Enercon erstattet. Gleichzeitig hat man in diesem Jahr die Windnachführung optimiert. Die Erfahrungen dieses ersten Jahres waren dann Grundlage für die Mittelwertsprognose für die Folgejahre mit ca. 21 GWh. Auf die Möglichkeit der Abweichung von Erstprognosen hat der Verkaufsprospekt ausdrücklich hingewiesen.
    Der wirtschaftliche Ertrag und die nachfolgenden Ausschüttungen liegen über der Prognose des Verkaufsprospektes aus folgenden Gründen: die Herstellungskosten waren niedriger, die Finanzierungs- und Servicekosten konnten günstig verhandelt werden und es ist eine vorteilhafte Direktvermarktung gelungen.
    Die Kommanditisten (darunter auch die Gemeinde) können mit den bisherigen Ergebnissen sehr zufrieden sein.

  4. Gast
    13. Januar 2020 um 11:24

    Sind en schon Rücklagen gebildet worden um die extrem hohen Rückbauskosten dieser Anlagen zu Finanzieren?
    Laufzeiten von Windkraftanlagen dieser Größenordnung sind ja in der Regel max. 20 bis 25 Jahre.

  5. 14. Januar 2020 um 14:31

    Selbstverständlich müssen Rücklagen gesichert und angespart werden!
    Die Rückbaukosten sind durch eine Bankbürgschaft abgesichert. Für diese Bürgschaft zahlen die Kommanditisten jährlich sog. Avalgebühren. Diese sinken mit dem Zuwachs der Rückbaurücklage.