Abschied von einer großen Bergerin

Berg trauert um Brigitte Reihl, die letzte Woche nach einer schweren Krankheit im engsten Familienkreis begraben wurde.


RIP Brigitte Reihl 

Brigitte Reihl hat ein Stück Berger Geschichte geschrieben – obwohl sie keine gebürtige Bergerin war. Im Nachlass von Paul Huber, dem letzten Nachfahren der Schatzlbauern, fand sie kostbare Briefe und Bücher mit persönlichen Widmungen von Oskar Maria Graf, die sie für eine Ausstellung zum 50. Todestag des Schriftstellers zur Verfügung stellte. Auch den Briefwechsel zwischen Eugen Graf und dem Schatzlbauern rettete sie vor dem Vergessen. Die Briefe des Berger Bäckersohns, der in Amerika zum Millionär wurde, dürfen als bedeutendes Zeitdokument gelten. Brigitte Reihl plante ein Museum zum Schatzlhof, dem einstmals größten Bauern in Berg, eine dort erhaltene Chronik sollte für die Nachwelt erschlossen werden. „Ich hatte doch noch so viel vor“, sagte sie bedauernd in diesem Sommer, als sie merkte, dass ihr die Kräfte schwanden.

Die Liebe zur Literatur, die bis zuletzt ihr Leben bestimmte, war ihr nicht in die Wiege gelegt worden, denn sie kam aus einfachen Verhältnissen. 1939 in Rehau in Oberfranken geboren, trug sie jedoch bereits als Kind gerne Gedichte vor. Nachdem der Vater im letzten Kriegsjahr gefallen war, durfte sie als einziges von vier Geschwistern eine höhere Schule besuchen. Sie studierte Lehramt für Englisch und Sport in München, der große Shakespeare-Forscher Wolfgang Clemen war ihr Lehrer. Sie selbst unterrichtete mehr als zwanzig Jahre lang am Starnberger Gymnasium und gab dort ihre Begeisterung für T.S. Eliot und James Joyce weiter. Zu ihren literarisch interessierten Schülern gehörte etwa der Schriftsteller Andreas Neumeister.

Aus einem Literaturkreis am Gymnasium Starnberg gingen auch die „Starnberger Hefte“ hervor, eine von dem ehemaligen Deutschlehrer Dr. Ernst Quester herausgegebene Zeitschrift, an der Brigitte Reihl seit dem Gründungstreffen im Januar 2010 beteiligt war. Noch wenige Tage vor ihrem Tod kontaktierte sie Quester, um ihm Texte für ein gemeinsames Projekt zu übergeben. „Ihre Worte waren wie ein Vermächtnis“, sagt er.

Brigitte Reihl war eine beliebte Lehrerin und blieb vielen ihrer ehemaligen Schüler eng verbunden. Sie verfügte über „ein fast napoleonisches Namensgedächtnis“, berichtet Quester. Aber sie war auch ein Familienmensch und schied frühzeitig aus dem Schuldienst aus, um ihrem beruflich international tätigen Mann zur Seite zu stehen und ihn auf seinen Reisen zu begleiten. In Berg war sie in der evangelischen Kirchengemeinde engagiert und kulturell vielfältig interessiert. Auch die Reihe „Kunstwerk des Monats“ im Katharina-von-Bora-Haus begleitete sie von Anfang an mit großem Interesse, zusammen mit ihrem Ehemann Hans Reihl gehörte sie zu den regelmäßigen Gästen.

Brigitte Reihl starb am 14. Oktober 2020 zu Hause in Berg und im Kreis ihrer Familie. Von ihren Enkeln verabschiedete sie sich mit Ratschlägen für ein gutes Leben und einem Gedicht von Hölderlin.

Katja Sebald