Windenergie für Berg und Starnberg?

Noch in diesem Jahr könnten sie beschlossen werden: Windkraftanlagen im Landkreis.


Windkraft bedeutet Fortschritt (Photo: Jan Schubert)

BM Monn hatte bei der Bürgerversammlung bereits angedeutet, worüber hinter den Kulissen im Gemeinderat seit langem gerungen wird: dass es Bedingungen geben könnte, unter denen man sich in Berg durchaus vorstellen könnte, das eine oder andere weitere Windrad zu genehmigen. “Und wenn, dann machen wir es selbst!”, sagte er unter dem Applaus der anwesenden und etwas verdutzten Bürger und unter Hinweis auf die versprochenen Renditen von über 6%.

Heute veranstaltet die SZ in Starnberg ein Podiumsgespräch, an dem auch Rupert Monn als Sprecher der Bürgermeister im Landkreis teilnehmen wird und das unter dem Titel steht: “Ist das Fünfseenland zu schön für Windräder?” Außerdem auf dem Podium: Kreisbaumeister Christian Kühnel, der bereits im Berger Rat zu dem Thema referiert hat, Robert Sing von den Stadtwerken München und Arno Zengerle, Bürgermeister der “Windkraftgemeinde” Wildpoldsried, Reinhard Grießmeyer, Vorsitzender der Schutzgemeinschaft Ammersee, sowie Hans Wilhelm Knape, Vorsitzender des Energiewendevereins Starnberg. Könnte sein, dass auch auf dem Podium die Befürworter der Windkraft in der Überzahl sind.

Beginn ist um 20 Uhr im Foyer der Kreissparkasse bei freiem Eintritt.

Vgl.: http://www.sueddeutsche.de/muenchen/starnberg/sz-podium-in-starnberg-licht-und-schatten-der-windkraft-1.1084387

Kommentieren (13)

  1. Einanderer
    14. April 2011 um 23:01

    “Könnte sein, dass auch auf dem Podium die Befürworter der Windkraft in der Überzahl sind.” Zur Recht haben Sie den Punkt, anstatt ein Fragezeichen am Satzende gesetzt. Es “könnte” nicht nur, sondern es war auch so. Gleichwohl war die einzige wahre Stimme die von Reinhard Grießmeyer, der nämlich die Zusammenhänge erkannt und insoweit den Wahnsinn dieser monströsen Winparks dargestellt hat. Die Herrn Politiker in Form von Bürgermeistertiteln und der von ihnen abhängige “Baumeister” hatten eine eindeutige Stellungnahme: “Es ist nicht die Frage ob Windkraftanlagen, sondern nur noch wo.” So der Herr Kreisbaumeister. Also basta – alles bereits abgemacht. Es soll nun alles ganz schnell gehen. Bürgervotum wurden von den Befürwortern ausgeschlossen. Warum wohl? Weil die Investoren bereits ungeduldig mit den Hufen scharren …
    Alles zu viel, zu schnell, zu unüberlegt. Typisches sich ein Denkmal setzen von Männern, die meinen, daß sie das Sagen haben. Aus Stuttgart21 nichts gelernt. Und, man höre, der Herr Bürgermeister Monn hat “aus Fukushima gelernt …” warum hat er nicht bereits aus Tschernobyl gelernt, aus den Argumenten aus über 30 Jahren der Atomkraftgegner? Warum lernt er aufeinmal jetzt und so schnell und so überzeugt? Und im Übrigen, das Auftreten des Herrn Kreisbaumeisters und seine Basta-Argumentation, hat irgendwie ein g´schmäckle… Rundum eine unerträgliche Veranstaltung mit bitterem Nachgeschmack.

    Nachtrag: Wenn der Herr Bürgermeister mit 6% Rendite lockt, ja bitteschön was soll das denn? Stromversorgung der Bevölkerung gehört zur Öffentlichen Daseinsvorsorge, dafür zahlen wir Steuern und Gebühren und dafür sind die Politiker von uns gewählt, dieses zu sichern und zu verwalten, da haben Renditevorgaben wohl eher nichts verloren. Als Bürger und als Unternehmer benötige ich bezahlbare und sichere Versorgung. Jegliche Spekulation und Profitstreben ist hier völlig falsch am Platze. Und wenn das alles einer “Wende” unterworfen werden soll, ja bitteschön, dann aber nicht ohne Volksabstimmung. Denn obwohl wir die Herren Politiker gewählt haben, damit sie unser Volksvermögen verwalten, so ziehen diese sich doch aus der Verantwortung, mit den von ihnen verursachten Privatisierungen der Öffentlichen Daseinsvorsorge, hier in Form von GmbH, AG usw., eben gerade aus der Verwaltung dieser zurück. Denn eine GmbH ist eine Körperschaft des privaten Rechts, mit Fremdgeschäftsführer, mit Insolvenzrecht, mit Auschluß des InformationsfreiheitsGesetzes … mit allen Konsequenzen! Eins noch: Die Herren, bezeichnend, das nur Männer auf dem Podium saßen…, favorisierten auch noch das Modell einer Beteiligung der Bürger 30%, Rest 70% Bank-Darlehen also Banken, also irgendwann potente Investoren, also Heurschrecken dann doch … also, Steuern zahlen, Stromgebühren zahlen und dann noch selber die Finanzierung bereitstellen und am Ende sitzen doch die Heuschrecken am Ruder … ach ja, die Rendite – kommt die nicht aus den Steuerzuschüssen (Einspeisungsvergütungen) des Bundes? ….

  2. Simpson
    15. April 2011 um 10:06

    Ja, so ist das mit der Energiewende. Will man sie anpacken sind nach Japan erst einmal alle dafür. Geht es um die Details, wird es da schon schwieriger.
    Energiewende ja bitte, aber nicht vor meiner Haustür. (Auf die PS starken Autos will auch kaum einer verzichten). Eines aber steht fest: Die Energie-
    wende, wenn möglich auf europäischer Basis, muss politisch gewollt sein.
    Das moderen Raubrittertum von EON und Konsorten gehört abgeschafft. Strompreiserhöhungen bei defakto fallenden Energieerzeugungskosten (auch ohne Atomstrom), Vernachlässigung des Netzausbaus und Gewinnmaximier-
    ung auf Kosten der Bürger, das hat für mich Stuttgart21 Qualitäten.
    Wichtig ist nur, dass in jeder Gemeinde ein Konsens gebildet wird, welche Art von regenerativer Stromerzeugung auf ihrem Gemeindegebiet stattfinden soll.
    Dafür kommt neben Windenergie auch Biomasse, Fotovoltaik, Wasserkraft evtl auch Geothermie in Betracht. Bei dieser Analyse sollte dann auch schnell klar werden, dass Windkraft hier im Süden wenig sinnvoll ist, genauso wenig wie Fotovoltaik in Norddeutschland einen weiterführenden Weg darstellt.

    • aviator
      15. April 2011 um 17:46

      Wind? Nachdem die QUH jetzt schon per Email zu Kommentaren zum Windkraftthema auffordert, bitte sehr 😉

      Windkraftanlagen sind in unserer Gemeinde völlig unsinnig. Verantwortlich dafür ist in erster Linie die Tatsache, daß die mittlere Windgeschwindigkeit in Südbayern die geringste in ganz Europa ist (www.windatlas.dk/europe/landmap.html) und wir zusätzlich aufgrund der Geländetopologie starke Verwirbelungen und hohe Bodenreibungsverluste haben.

      Im Jahresdurchschnitt liegt unsere mittlere Windgeschwindigkeit bei ca. 3-4 m/s, die wirtschaftlich untere Grenze auch für moderne Windkraftanlagen (WKA) aber bei 5-6 m/s. Dazu muß man wissen, daß das theoretische Maximum der Energieentnahme aus Wind 59% und der mechanisch/elektrische Wirkungsgrad moderner WKA etwa 75% beträgt, so daß insgesamt nicht mehr als 44% Gesamtwirkungsgrad erreichbar sind. Und auch das ist nur bei großen Schnellaufzahlen (Verhältnis der Rotorumfangsgeschwindigkeit zur Windgeschwindigkeit) möglich. große Schnellaufzahlen führen -nebenbei bemerkt- zu hohen Blattspitzengeschwindigkeiten mit entsprechendem Lärm und optischen Effekten, was man dann auch dazusagen muß. Die andere Variante ist, WKAs mit einer Höhe von 250-350m zu bauen, um in den Bereich des geostrophischen Windes zu kommen.

      WKAs haben zudem das Problem, daß deren abgegebene Leistung mit der dritten Potenz der Windgeschwindigkeit steigt und sie mit Synchron- oder Asynchron-Generatoren ans Netz gekoppelt sind. Fällt die Antriebsgeschwindigkeit unter einen gewissen Wert, werden aus den den Generatoren Motoren, steigt sie zu stark an, muß die Anlage schnell begrenzt und schließlich abgestellt werden. Deswegen steht auch die WKA von Herrn Genz bei starkem Wind, der ja eigentlich einen guten Stromertrag bringen sollte, still und läuft erst ab einer gewissen Mindestwindgeschwindigkeit an.

      Der einzige Grund, warum es in Bayern ein paar WKAs gibt, ist das “Erneuerbare-Energien-Gesetz” (EEG). Dies trägt die Unkenntnis über physikalische Zusammenhänge schon im Namen, denn Energie kann weder erneuert noch vernichtet, sondern lediglich umgewandelt werden. Ausschließlich die grotesk überhöhte Einspeisevergütung nach diesem Gesetz sorgt dafür, daß WKAs in Berg überhaupt ein Thema sind. Das EEG ist ein Sieg der Ideologie über die Vernunft.

      Das betrifft in noch in wesentlich größerem Umfang Photovoltaikanlagen. Das Bestrahlen einer solchen Anlage mit aus normalem Netzstrom gespeisten Quecksilberdampflampen ist wirtschaftlich, weil die Differenz von bezogenem und abgegebenem Strom selbst unter Berücksichtigung aller Wirkungsgrade ein positives Ergebnis ergibt. Der Politik ist gelungen, was die Wissenschaft in Jahrhunderten nicht vermochte: Sie hat das Perpetuum Mobile geschaffen, wenn auch nur in monetärer Hinsicht.

      Oder doch nicht? Irgendjemand muß ideologische Stromerzeugung natürlich bezahlen, und das sind wir alle. Leider können sich die finanziell schlecht gestellten aber keine Photovoltaikanlage leisten, so daß sie das Ganze weit überproportional bezahlen müssen. Die wenigen “Bürgersolaranlagen” können darüber nicht hinwegtäuschen.

      Fazit: WKAs in Berg müssten extrem hoch gebaut werden und sorgten im Wesentlichen für eine gewaltige Umverteilung von Geld in Richtung der “Erneuerbare”-Energien-Lobby oder günstigstenfalls der Gemeinde. Der tatsächliche Effekt hinsichtlich umweltfreundlicher Stromerzeugung wäre -verglichen mit Küstenbereichen- vernachlässigbar.

  3. Einanderer
    15. April 2011 um 20:41

    Wind und so @aviator. Große Klasse:

    “Dies trägt die Unkenntnis über physikalische Zusammenhänge schon im Namen, denn Energie kann weder erneuert noch vernichtet, sondern lediglich umgewandelt werden.”

    besser kann man den “Energiewendewahnsinn” nicht kennzeichen…; Deutsches Land, Pisa-Land … das ist in etwa sowas wie: alle Politiker und Andere reden ständig von Mehrwertsteuer, dabei handelt es ich doch um Umsatzsteuer … weder naturwissenschaftliche Zusammenhänge, noch wirtschaftliche Zusammenhänge, sind unsere “Eliten” in der Lage zu verstehen! Das macht mich traurig…

  4. QUH-Gast
    17. April 2011 um 11:01

    Zum Ertrag der Windenergie Aviator hat sich leider nur damit begnügt die gröbste Windkarte zu verwenden, die er finden konnte, angefertigt mit Blick aus dem windreichen Dänemark – wohl weil das Ergebnis so gut in das eigene Bild passt. Es geht aber auch genauer, und zwar beim Deutschen Wetterdienst (www.dwd.de, Windkarten). Leider sind dort nur die gröberen Karten kostenfrei, aber sie zeigen trotzdem schon ganz gut, warum nicht alle blöd sind, die hier investieren wollen. Wir liegen hier ganz und gar nicht im windschwächsten Gebiet. Die Karte „Eignung für Windkraftnutzung“ bestätigt dies ebenfalls und erwartet hier „Referenzertrag“. Alle Karten geben dabei die Windwerte in nur 80 Metern Höhe wieder.
    Die beste Bestätigung dafür, dass es kein Unsinn ist, ergibt sich doch auch alleine daraus, dass ausgerechnet der Einzige, der genau weiß, wie viel eine Anlage hier bringt, den Bauantrag für eine weitere gestellt hat. Auch SWM, die die andere Anlagen betreiben, wollen unbedingt mitmachen. Laut Windkarte steht deren Anlage auf dem Fröttmaninger Berg übrigens in einem schlechteren Gebiet.
    Das EEG ist der größte Wurf, der der Deutschen Politik je gelungen ist und wird in der ganzen Welt gerne kopiert. Durch dieses Gesetz sind mehr als 300.000 Arbeitsplätze entstanden, bereits halb so viele wie in der Autoindustrie, aber hier mit stark steigender Tendenz. Die Kosten für die Förderung liegen aktuell gerade einmal bei 2,7 Cent pro Kilowattstunde. Sie wurde aber von den großen Versorgern – natürlich aus Versehen – ab Oktober 2010 mit 3,53 Cent kalkuliert. Die tatsächlichen 2,7 Eurocent bedeuten für einen durchschnittlichen Haushalt mit vier Personen (4.000 kWh/a Stromverbrauch – pardon „Stromumwandlung“ ) eine Mehrbelastung von 108,-€ im Jahr – keine zehn Euro pro Monat. Ist das wirklich zu viel für eine sicherere Zukunft? Anders als bei anderen Techniken erhalten diese Gelder aber tausende von Personen hier im Land (das ist wohl die „Erneuerbare”-Energien-Lobby“) , die es auch hier im Land wieder ausgeben.
    Die Behauptung, dass nur bei hohen Drehzahlen ein ordentlicher Ertrag anfällt, kann nicht stimmen. In der Formel zur Berechnung der Leistung einer Anlage PWind = 0,5 x [π • (rR)2] • ρL • Cp • (vW)3 kommt die Geschwindigkeit der Rotoren überhaupt nicht vor. Ausschlaggebend ist vielmehr die Fläche, die der Rotor bestreicht – daher der Trend zu großen Anlagen. Geschwindigkeit und Lärm klingt aber bedrohlicher und wird daher gerne verwendet – genauso wie die toten Vögel, die angeblich in Massen darunterliegen.

    Gruß
    Uli

    • aviator
      17. April 2011 um 15:26

      Servus Uli,

      bei mir muß nichts “ins Bild passen” . Ich halte umweltfreundliche Stromerzeugung für eine sehr sinnvolle Sache, aber nicht jede Art ist für jedes Gebiet gleich gut geeignet. Die Karte des RNL ist ohne topographische Details, zeigt aber sehr gut auf, wo im europäischen Bereich Windenergie sinnvoll ist und wo nicht. Auf der Windatlas des Wirtschaftsministeriums (http://www.verwaltung.bayern.de/Anlage4015428/BayerischerWindatlas.pdf) schaut es übrigens auch nicht viel besser aus als von mir geschrieben, und die haben ja ein Interesse an der Förderung der Windenergie. Am Münchner Schuttberg-Windrad können wir erkennen, wo es hingehen muß, wenn man hier bei uns aus der niedrigen Energiedichte der Luft was rausholen will: Die Nabenhöhe dort liegt irgendwo bei 200+m über der umgebenden Topologie. Sicher kann man Windkraft in Bayern machen und Photovoltaik in Island, aber warum? Wir liegen beispielsweise in einem Gebiet, welches für Geothermie sehr gut geeignet ist. Da müßte man sich aber mal von dem Mantra trennen, daß aus allem unbedingt Strom gemacht werden muß. Es gibt ja auch noch andere Energieträger.

      Was die WKA von Herrn Genz betrifft: Davon, daß dem die Förderung durch das EEG völlig wurscht ist, können wir mal ausgehen 😉 Dessen Konzept ist ein völlig anderes, nämlich die Unabhängigkeit seines Hofes von externer Versorgung durch Energiespeicherung. Damit ist er -nebenbei bemerkt- schon wesentlich weiter als die Politiker, die erst langsam anfangen zu begreifen, daß in jeder Sekunde genau soviel Strom erzeugt werden muß, wie verbraucht wird und ohne gigantische Speichermedien Windkraft in einem modernen Industrieland weitgehend nutzlos ist. Das zweite Windrad hat Herr Genz möglicherweise auch deswegen beantragt, um der Gemeinde, die seit Jahren gegen ihn einen Kleinkrieg führt, genau die jetzt stattfindende Diskussion aufzuzwingen. Jetzt kann sich zurücklehnen und zuschauen, wie sich Berg21 gegen alles Mögliche bildet 😉 Wenn die Gemeinde den Herrn nicht zur persona non grata erklärt hätte, könnte sie ihn sonst mal nach der tatsächlichen, auf Stundenbasis aufgelösten Energiebilanz seiner WKA fragen.

      Das das EEG 300.000 Arbeitsplätze geschaffen hat, mag sein. Die Frage ist aber wohl auch, wieviele Arbeitsplätze im gleichen Zeitraum durch die ideologische Umsteuerung von hohen Milliardenbeträgen in einem planwirtschaftlich organisierten EEG-System vernichtet worden sind. Die Gelder aus der versteckten Subvention werden zwangsgesteuert und fehlen für andere Investitionen. Diese Statistik führt natürlich keiner, denn die paßt dann möglicherweise wirklich nicht “ins eigene Bild” (allein die Windkraft wird jährlich mit 3 Milliarden gefördert, Tendenz steigend). Das es eine Lobby gibt, die am EEG ein extrem hohes Interesse hat, ist ja wohl klar. Das dürfte die effizienteste Lobby in ganz Deutschland sein und sorgt für gigantische Gewinne, besonders bei den Solarfirmen.

      Viele Grüße,

      Michael

      P.S.: Die Drehzahl des Rotors steckt implizit im Leistungsbeiwert Cp. Der ist abhängig von der Windgeschwindigkeit vor und nach dem Rotor und damit von dessen Aerodynamik. Geringe Windgeschwindigkeiten erfordern eine große Flügeltiefe mit entsprechend hohem Widerstandsbeiwert, daher werden moderne WKAs mit einer Schnellaufzahl von 6-8 ausgelegt.

  5. Einanderer
    17. April 2011 um 23:00

    Nach neuesten Informationen… … aus dem hiesigen Amt, ist wohl ein Antrag eingegangen auf einen “Offshore-Windpark” direkt im Starnberger See, voraussichtlich unterhalb des Windrades von diesem Herrn mit G.

    • xenergie
      18. April 2011 um 23:04

      Servus Aviator,

      Deine Sorge um die Wirtschaftlichkeit einer Windkraftanlage im Gemeindegebiet kann ich nicht verstehen, denn das unternehmerische Risiko trägt doch immer noch der Anlagenbetreiber.

      Auch grotesk überhöhte Einspeisevergütung sehe ich für WKAs nicht. Diese betragen derzeit für die ersten 5 Jahre max 9,25 ct/kWh und für weitere 15 Jahre können diese sogar auf 5,02 ct/kWh gesenkt werden. (Grotesk finde ich eher das EON vom Endkunden 23,12 ct/kWh verlangt – für Ökostrom sogar noch mehr.

      Richtig ist zwar, dass eine Verdoppelung des Windes zu einer Vervierfachung des Ertrages führt. Aber kann man daraus ableiten, das man alle WKAs der Republik vor die Nasen der „Küstenbewohner“ setzt und dann den Strom (unter Verlusten) in den Süden leitet?

      Wie auch immer man zur Windkraft stehen mag: positiv zu werten ist der kurze Zeitraum für die energetische Amortisation. Darunter ist zu verstehen in welcher Zeit die Anlage die Energie abgegeben hat, die für Herstellung, Transport, Wartung und Rückbau der Anlage benötigt wurde/wird. Windkraftanlagen schneiden dabei (auch bei „uns“) mit wenigen Monaten sehr gut ab.

      Ungeachtet dessen ist aber sicher ein Konsens aller Gruppen wichtig. Ich wünsche mir deshalb ein Bürgerwindrad – so könnten sich alle freuen, wenn sich „das Ding“ dreht.

      Beste Grüße
      Ralf

    • aviator
      19. April 2011 um 14:25

      Wirtschaftlichkeit von Windkraft Servus Ralf,

      nachdem der Betreiber für WKA-Strom zweieinhalb mal soviel Geld bekommt wie der aus konventionellen Kraftwerken bzw. auf dem Strommarkt kostet und die Voraussetzungen für die EEG-Förderung extrem niedrig angesetzt sind, kann man WKAs leider sogar in Schwachwindregionen bauen, ohne daran Pleite zu gehen. Hier gilt nicht Marktwirtschaft, sondern die Planwirtschaft, was aus Sicht des Betreibers natürlich positiv ist 😉 Der Nebeneffekt ist, daß das Ergebnis solcher Zwangsumverteilung von Geld dann irgendwann so aussieht:

      http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Windpark.jpg&filetimestamp=20060704171441

      In unserer Schwachwindregion liefern WKAs aber über das Jahr nur ca. 15% der installierten Leistung, wie man am Schuttberg-Windrad sieht:

      http://www.swm.de/dms/swm/dokumente/unternehmen/energieerzeugung/windkraft/windkraftanlage-froettmaning.pdf

      Die WKA dort bringt es im Jahresmittel auf 1530kVA * 8.760h / 2.000MWh * 100 = 14.9%. das heißt, daß man bei uns fast siebenmal so leistungsfähige WKA-Hardware installieren muß als erforderlich wäre, wenn der Wind konstant bliese. Zudem muß man hoch hinaus.

      Das EON für Strom in Zeiten von “Erneuerbarer Energie” so viel verlangt, hat übrigens einfache Gründe: Man kann für Strom aus Wind oder Sonne kein einziges Grundlastkraftwerk abschalten, denn der Ertrag aus den Ersteren sinkt zeitweise gegen Null. Aus diesem Grund haben bereits jetzt die Stromnetze die Grenzen ihrer Regelungsfähigkeit erreicht, denn Frequenz und Spannung müssen extrem konstant gehalten werden. Grundlastkraftwerke vermögen diesen schnellen Schwankungen aber nicht zu folgen, so daß konventionelle Teillastkraftwerkskapazitäten und die Blindleistungsregelung stark ausgebaut werden müssen. Windkraft ist in dieser Hinsicht ein Alptraum, denn die Leistungsabgabe schwankt innerhalb kurzer Zeit extrem und kann bei uns wochenlang bei Null liegen. Der tägliche Blick auf die WKA von Herrn Genz zeigt ja die Realität. Noch mehr WKAs bedingen daher in jedem Fall einen gigantischen Netzausbau von Nord nach Süd, egal, wo die Windräder stehen. Dazu noch ein paar Infos vom Fachmann:

      http://www.welt.de/wirtschaft/energie/article13057203/RWE-Manager-warnt-vor-Blackout-in-Sueddeutschland.html

      Das Berger “Bürgerwindrad” würde EON mehr Probleme bereiten, als es löst und zu weiteren Erhöhung der Strompreise führen. 3,5 cent/kwh sind aber für einen HartzIV-Empfänger etwas ganz anderes als für einen „Besserverdienenden“. Dazu kommt, daß man seinen Energieverbrauch nur in Grenzen einschränken kann. Im Ergebnis verschärft das EEG die Situation der Ärmsten im Land noch mehr, und die freuen sich dann etwas weniger, wenn sich “das Ding” dreht. Nebenbei sind auch diese Verbraucher Steuer- und Gebührenzahler. Die Förderung für die “Erneuerbaren Energien” beträgt netto 11 Milliarden Euro pro Jahr. Von diesen werden 4 Milliarden über die Stromrechnung abgerechnet. In Wirklichkeit sind die durch das EEG verursachten Kosten also fast dreimal so hoch wie offiziell angegeben. Die restlichen 7 Milliarden kommen z.B. von den Kommunen (für Schwimmbäder, Straßenbeleuchtung, etc.) sowie von Gewerbe, Handel und Industrie. Und diese Kosten werden halt auch auf den Bürger umgelegt.

      Viele Grüße,

      Michael

  6. Einanderer
    19. April 2011 um 9:34

    Sowas passiert, wenn Politiker die schnelle “Energiewende” vorantreiben… “Unter Staufen brodelt etwas. Die gesamte Stadt hat sich angehoben. Und das in Dimensionen, die für geologische Verhältnisse enorm sind. Es geht um mehrere Zentimeter pro Monat.

    Was geht da vor sich?”:

    http://www.spiegel.de/wissenschaft/natur/0,1518,589944,00.html

  7. Simpson
    19. April 2011 um 17:20

    Den Focus verloren? Die Diskussion hier ist typisch für den allgenmeinen Zeitgeist. Es wird auf Biegen und Brechen um Kleinigkeiten gerungen, aber der Blick auf das Wesentliche geht verloren. Ist Situation:
    – Fossile Energieträger sind endlich und auf mittlere Sicht zu wertvoll sie zu verheitzen.
    – Atomenergie ist nicht beherrschbar.
    Einzige derzeit greifbare Energiealternative: Erneuerbare Energieen
    Problem: Fotovoltaik und Windkraft sind lokal betrachtet nicht grundlastfähig.
    Grundlastfähig sind: Biomasse, Wasserkraft und Gezeitenkraft.
    Im europäischen Verbund und durch intelligente Netze überall verfügbar gemacht, werden auch Wind und Solarenergie, zumindest zu einem großen Teil, grundlastfähig, da an der Küste und z.B. im sonnigen Spanien, eine 24 Stunden Vorhersage möglich ist.
    Später können mit einem intelligenten Stromnetz (smart grid) Überschüsse von Wind/Solarenergie gezielt genutzt werden, um z.B. die Akkus der Elektroautos zu laden, die auf den Parkplätzen der Arbeitsstätten zwischen 9 und 17 Uhr stehen. Das Smart Grid kann diese gewaltigen Akku Kapazitäten der E Autos auch kurzfristig zur Überbrückung von Leistungsspitzen im Netz verwenden.
    Die Technologie ist vorhanden und man braucht dazu kein Desertec, sondern einen leistungsfähigen europäischen Stromverbund. Einige Anfänge, z.B. das Nordseekabel zwischen Norwegen und Deutschland (um überschüssige Energie in norw. Pumpspeicherkraftwerken zwischen zu speichern) sind gemacht. Man denke auchan grundlastfähige Parabolrinnenkraftwerke in Spanien.
    Meiner Meinung nach fehlt nur der politische Wille, ein solches Szenario umzusetzen. Für “unsere kleine Gemeinde” im großen Europa bedeutet dies, auch mit anzupacken und ihren Teil an der reg. Energiegewinnung beizu-steuern.