Heute abend: Mücken im Gemeinderat (Fortsetzung)

Sie werden da sein: Sie werden – während der Rat über sie berät – ungerührt, wie es ihre Art ist, durch den Ratssaal schwirren und ungeachtet der politischen Couleur ihre Attacken auf Leib und Seele der Gemeinderäte fortführen. Die Mücken werden heute im Gemeinderat zugleich anwesend und Thema sein und – jenseits der Tagesordnung – behandelt werden.

Es ist beileibe kein neues Thema: Einen Artikel mit dem Titel “Mücken im Gemeinderat” haben wir vor fast genau 13 Jahren schon einmal geschrieben. Am 29. Juni 2011 fand im Berger Gemeinderat eine historische Sitzung statt: In der Gemeinde regte sich schon damals Unmut wegen der grassierenden Mückenplage, die Teile der Politik als nicht existent erachteten (BGM sprach von der “so genannten” Mückenplage). Die CSU hatte damals eine besondere Tischvorlage gesponsort: eine Mückenklatsche, die allerdings in der Zeitnot ausgerechnet nur in rot lieferbar war:

Tischvorlage der CSU am 29.6.2011

Vorangegangen war – wie sich die Zeiten wiederholen – eine in der Bevölkerung heftig geführte und auch vom Gemeinderat geforderte energische Diskussion um den Einsatz von BTI, die der damalige Bürgermeister mit den Worten “Wir können gerne diskutieren, aber zu entscheiden gibt es nichts mehr” in seiner typischen Art unterband. Trotzdem regte sich weiter Protest. Wir zitieren unseren Sitzungsbericht von 2011, der mit einer biologischen Attacke auf die Ratsmitglieder begann:

“Demonstrativ hatte BM Monn nach dem QUH-Artikel vom Tag die Türen des Sitzungssaales für den Tagesordnungspunkt “Mücken” öffnen lassen. Während der wohldurchdachten Rede von GR Streitberger schlug er mit einer von der CSU als “Tischvorlage” gespendeten Fliegenklatsche nach einer imaginären Mücke (als sei damit das von ihm ungeliebte Thema erledigt). In einer sachlichen Diskussion wurden trotzdem einige Möglichkeiten der Prävention entwickelt: Der Wasserstand in den Rückhaltebecken wird noch genauer kontrolliert (GR Streitberger), man wird sich um Ansiedlung von Fledermäusen kümmern (in Zusammenarbeit mit Ex-GR Jäger), es sollen Entwässerungsgräben ins Wasserrückhaltebecken eingezogen werden (GR Steigenberger) und es werden präventiv und in Zusammenarbeit mit dem Bund Naturschutz die genaue Art und das Hauptverbreitungsgebiet der Mücken festgestellt (GR Ammer). Falls die Plage – anders als in diesem Jahr – wieder auftritt, könnte man dann evtl. schneller handeln. All dies sind kleine aber sinnvolle Vorhaben, die man allerdings auch letzte Woche schon hätte diskutieren können.”

Entwässerungsgräben gab es – unseres Wissens – dann nie. Nicht zuletzt auf Anregung der QUH gab es in der Folgezeit aber eingehende Untersuchungen über einen möglichen BTI-Einsatz, die Berg allerdings wenig Hoffnung machten. An den Fakten unseres Berichts aus der Gemeinderatssitzung vom Februar 2017 dürfte sich wenig geändert haben:

“Der Mückenbekämpfungsexperte Matthias Galm, der allerdings erst nach wiederholten energischen Nachfragen von GR Kalinke geladen worden war, erläuterte dem Rat und den Zuhörern, dass die Überschwemmungsmücke sich – anders als die Hausmücke – besonders schnell entwickle und besonders weit verbreite. Das natürliche Protein BTI müsse deshalb in einem eng umrissenen Zeitraum nach einer Überschwemmung flächendeckend ausgebracht werden. Ob dies in dem gut 5 qkm großen Gebiet ohne Hubschrauber möglich sei, bezweifelten viele Räte. GR Reiser (BG), selbst Hubschrauberpilot, konnte daran nichts Schlimmes finden. GR Sewald (EUW) hielt eine seiner längsten Reden im Gemeinderat und erläuterte, dass die Renaturierung des Hochmoores ja durchaus gewollt sei, dass der Wald die Feuchtigkeit hier wie ein Schwamm aufsauge und dass es durchaus nicht damit getan sei, die Schleuse zu öffnen, weil ein Großteil des Wassers auch langsam über den Allmannshauser Höllgraben zum See hin langsam absickere.”

Das Überschwemmungsgebiet, das für die Insektenüberfälle verantwortlich ist, ist leider ziemlich unzugänglich. GR Kalinke, der sich damals besonders einsetzte, kundig machte und für einen sachlichen Umgang mit dem Thema steht, wird sicher heute Abend einiges dazu sagen können. Allein die Kartierung des Gebietes hätte über 13.000 € gekostet. Ein Betrag, den der Gemeinderat nicht genehmigte. Insbesondere SPD, Grüne, EUW und CSU waren damals grundsätzlich gegen den Einsatz von BTI.


Der Schlund der Insektenhölle: das Berger “Feuchtgebiet” (Photo: HP Höck) 

Es gibt ein Entwässerungsrohr, das dabei helfen könnte, den Wasserstand schneller zu senken. Auf deren Öffnung hatte GR Kalinke in der vorletzten Sitzung gebeten. Das Rohr ist auch geöffnet worden, allerdings kam rätselhafterweise kein Wasser heraus. Vielleicht könnte man hier mit einer Pumpe nachhelfen.

Die vom GR beschlossene Mückenbekämpfung per Fledermausansiedlung wurde 2011 übrigens wirklich in Angriff genommen: Grünen- GR Gerhard Jäger hängte im Winter nach der Plage höchstselbst von der Gemeinde finanzierte Fledermauskästen im Ebrachfilz auf. Das Ergebnis ist bekannt.


Mückenbekämpfer Gerd Jäger 2011 im Ebrachfilz

2017 lud der Rat auf Betreiben der QUH den Mückenexperten Galm in den Rat.

Der Kampf geht weiter:

QUH vs Mücken 

 

Kommentieren (3)

  1. TR1980
    26. Juni 2024 um 17:28

    Irgendwie erschreckend, dass man 17 Mio für ein Rathaus ausgeben kann, aber keine 13.000€ für eine Kartierung… Gut, wenn man sowieso unwillig ist, danach irgendwelche Maßnahmen zu ergreifen, und schon im Vorfeld alles wegbegründet, dann kann man sich alle Vorbereitungen dafür auch sparen und für 13.000€ einfach Mückengitter fürs Rathaus kaufen.

  2. Gast
    27. Juni 2024 um 10:09

    Man kann auch alles wie immer bürokratisch aufblähen. Aber einfach mal die Mitarbeiter vom
    Awasserverband prakmatisch mit Handpumpen ausstatten, welche auf jeder Baustelle vorhanden sind. Die Hochwasserpfützen am See unten austrocknen wäre schon sinnvoll und hilfreich. Wasser mittels Feuerwehrschlauch direkt in den Kanal und fertig.

  3. Christoph
    1. Juli 2024 um 6:47

    Ja, es gibt viele Mücken in der Gemeinde. Ich glaube die Gemeindeverwaltung ist dafür die nicht ganz richtige Adresse.
    Durch den strukturellen Wandel in der Gemeinde Berg hat sich unsere Landschaft in den letzten 50 Jahren deutlich verändert. Zum Nutzen der Flora und Fauna gibt es viel mehr Grünstreifen entlang der Wege und Bäche, es gibt wesentlich weniger gepflegte Entwässerungsgräben auf privaten Flurstücken und es gibt viele Flächen die nicht mehr gemäht werden und verbuscht/verwaldet sind. Damit gibt es natürlich mehr Flächen in welchen die Feuchtigkeit/Nässe länger steht.
    Noch in den 80er Jahren waren speziell zwischen Allmannshausen, Sibichhausen, Höhenrain und Bachhausen regelmäßig Grabenfräsen zu sehen. Die Kritik daran war groß, weil natürlich Kleinstlebewesen (Frösche, etc) um den Wohnraum gebracht wurden.
    Schön anschauen kann man sich diese Veränderung auf den Luftbildern vom Landesamt für Digitalisierung. https://www.ldbv.bayern.de/vermessung/luftbilder/recherchestation

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