„Berg erzeugt heute durch Bürgerwind zu 100% erneuerbaren Strom. Auch der steigende Strombedarf soll künftig durch lokale Wind- und PV-Anlagen abgedeckt werden. Mit dem Pilotprojekt Energy Sharing möchte die Gemeinde Berg die Voraussetzungen schaffen, dass regional produzierter Strom auch regional genutzt wird, statt ins zentrale Netz eingespeist zu werden.“ QUH-Gemeinderat Christian Kalinke hat eine Informationsveranstaltung im Berger Rathaus kommentiert.

Vereinfacht gesagt, den Strom vom Dach des Nachbarn nutzen, um Kosten und Mühen zu sparen. Klingt verlockend.
Kein Wunder also, dass die Informationsveranstaltung:
Austausch zum Energy-Sharing- Pilotprojekt im Berger Rathaus am 22.9.26 so gut besucht war. Allein 20 Experten u.a. von der Energiegenossenschaft Fünfseenland, von der Deutschen Energie-Agentur und des Instituts für ökologische Wirtschaftsförderung waren im Sitzungssaal. Wenig überraschend, dass dadurch die technischen Herausforderungen die Diskussion bestimmten. Da war die Rede von IT- und Plattformstrukturen, Verteilernetze, Datenmanagement und intelligenten Messsystemen (Smart-Meter). Keine leichte Kost für die anwesenden Vertreterinnen und Vertreter der Gemeinde, die da waren: BM Rupert Steigenberger, Klimareferentin Clara Stoll, sowie die GR Sissi Fuchsenberger (SPD), Michael Friedinger (BG), Georg Haslbeck (EUW), Christian Kalinke (QUH) und Jürgen Nowicki (FDP).
Ich erlaube mir noch eine persönliche Anmerkung zum Schluss. Auf meine Frage an das Plenum: Wie wollt ihr das dem Normalbürger erklären?
„Gerd und Gerda“ wollen einfach nur wissen, ob sie durch Energy Sharing, billiger, einfacher und sicherer Strom beziehen können. Aber um diese Frage zu beantworten, gibt es ja das Pilotprojekt.
„Berg erzeugt heute durch Bürgerwind zu 100% erneuerbaren Strom.”
Diese Aussage ist natürlich falsch, wie jeder mit physikalischen Grundkenntnissen weiß. Mittlerweile ist Realitätsverleugnung aber in jedem Politikfeld die Norm.
Dieser Hinweis ist auch interessant. Aber was ist der Zweck dieser Belehrung?
Es ist in diesem Zusammenhang wurscht, ob man die Vokabel “erneuerbar” oder die Größe “100 %” physikalisch präzise anwendet.
Entscheidend ist doch, dass man “erneuerbare Energien” (Entschuldigung) in Form von elektrischem Strom aus Wind und Sonne gewinnt, und die fossilen Rohstoffe schonend einsetzt – am besten da belässt, wo sie sind – unter der Erde.
Dem anonymen Kommentator namens Aviator sei gesagt:
Der durch die Bürgerwind produzierte Strom wird zu 100% durch Windkraft erzeugt. Und die Windkraft erneuert sich nun mal beständig selbst, wie jeder mit physikalischen Grundkenntnissen weiß.
Tja, nur haben diese Windmühlen bei Windstille (was in einer extrem windschwachen Regionen wie Oberbayern sehr häufig der Fall ist) oder Abschaltungen etwa 50.000 kWh Eigenverbrauch pro Jahr, um sämtliche technischen Komponenten und Steuerungen sowie die Temperaturen der Betriebsflüssigkeiten (Öle und Kühlmittel) in Betrieb zu halten ….. Und dieser Strom muß durch grundlastfähige Kraftwerke gesichert werden. Das nur als Beispiel zum Thema “alles erneuerbar”.
@Aviator: Ändert halt trotzdem nichts an der Tatsache, dass der durch die Berger Windkraftanlagen erzeugte Strom erneuerbar ist. Dass es beim Erzeugen von Strom auch immer einen gewisser Aufwand an Energie notwendig ist, weiß zudem auch jeder mit physikalischen Grundkenntnissen. Das gilt, welch Wunder, übrigens auch beim Kohlekraftwerk oder beim Atomkraftwerk. Und außerdem, wer sagt denn, dass der Strom für die Instandhaltung der Windkraftanlagen nicht aus aus anderen erneuerbaren Quellen kommen kann? Statt permanent und vollkommen dogmatisch populistischen Nonsense gegen erneuerbare Energie zu verbreiten, sollte man manchmal einfach den Rechner zuklappen und es gut sein lassen…
“Und außerdem, wer sagt denn, dass der Strom für die Instandhaltung der Windkraftanlagen nicht aus aus anderen erneuerbaren Quellen kommen kann?”
Ich.
Ohne konventionelle Kraftwerke gibt es überhaupt kein Stromnetz, in das Zufallsstromerzeuger einspeisen könnten. Weltweit werden aus verschiedenen technischen Gründen nahezu ausschließlich Wechselstromnetze verwendet, deren Frequenz- und Phasenführung nur durch stetig einspeisende Großkraftwerke mit entsprechenden Schwungmassen möglich ist. Die durch Zufallsstrom erzeugten Frequenz- und Phasenstörungen können auch nur durch diese kompensiert werden. Wenn die Stromerzeugung das Sinussignal in seiner Frequenz oder seiner Phasenverschiebung zwischen Strom und Spannung nicht aufrechterhalten kann, bricht das Netz in Sekundenschnelle zusammen, höchstens begrenzt durch den komplexen Scheinwiderstand der Leitungen. Der einzige Grund, warum das bei Änderungen der Last oder der Einspeiseleistung nicht passiert, sind die Schwungmassen der Großkraftwerke (mehrere Hundert bis zu Eintausend Tonnen). Deren inherente Energie (Jw^2) sorgt dafür, daß die Laständerungen kurzfristig nahezu keine Drehzahländerung bewirken. Kleinstkraftwerke wie Windmühlen oder Solarpanels können im Gegensatz dazu nur über Wechselrichter parasitär ins Netz einspeisen und haben keinen nennenswerten internen Energiespeicher vergleichbar mit denen der Großkraftwerke.
Wenn man die Sonne außer acht läßt und die Erde als geschlossenes System ansieht, dann ist der Wind zwar “erneuerbar”, aber aus den genannten physikalischen Gründen kann der daraus gewonnene Strom nicht sinvoll genutzt werden. Der Aufwand, um die dadurch verursachten Netzstörungen und Ausfälle zu kompensieren, steht in überhaupt keinem vernünftigen Verhältnis zum Ertrag. Das können Sie auf Ihrer Stromrechnung nachlesen.
Und dann sind die “Erneuerbaren” ja weit entfernt davon, “klimaneutral” zu sein. Jede Windmühle braucht ein Fundament aus mehreren Tausend Tonnen Stahlbeton, und das ist nur ein Beispiel. Wirklich umweltfreundlichen Strom gibt es nur aus Kernkraftwerken der 4./5. Generation, und umweltfreundliche Energie für Mobilität nur aus synthetischen Kraftstoffen, die unter Verwendung von Kernenergie erzeugt wurden. Was anderes habe ich bei Betrachtung der Physik realistischerweise nicht finden können.
Um aber mal Ihren Duktus zu kopieren: Statt permanent und vollkommen dogmatisch populistischen Nonsens für erneuerbare Energie zu verbreiten, sollte man manchmal einfach den Rechner aufklappen und zusätzlich selbst ein bisserl rechnen …