Doppelzimmer – Der Infoabend zur Rathausausschreibung

Es wird ein Rathaus gebaut – kein Bürgerhaus! Gestern Abend informierte der Bürgermeister samt einem Stab von Beratern über das festgeschriebene Lastenheft zum Rathausneubau.

Knapp 30 Zuhörer fanden sich im Rathaus ein, davon 6 Gemeinderäte und 9 QUH Mitglieder

Bürgermeister Rupert Monn begrüßte die anwesenden Zuschauer, Gemeinderäte und die Presse und stellte das Podium vor. Er ging auf die Historie zur Standortfindung in Berg am Kreisel ein und wie man sich mit der Kirche in Bezug auf das Grundstück geeinigt hat. Er lobte die gute Zusammenarbeit im Arbeitskreis, der für das Erstellen der Ausschreibungsunterlagen verantwortlich war (mit der Unterstützung der entsprechenden Fachleute).

BM Monn erläutert den bisherigen Ablauf der Planung sowie die Standortfindung und den Vertrag mit der Kirche

Im Anschluss an die Ausführungen des Bürgermeisters trug Herr Wille (Wille|Kastner Architekten) sehr sachlich vor und beschrieb die Vorgaben für den Wettbewerb.
Es soll bürgernah und leicht erreichbar sein, das neue Rathaus, mit einem hohen Maß an Aufenthaltsqualität. Es wird ausreichend Räume für die Verwaltung geben (klar), das Archiv, einen flexiblen Sitzungssaal, den Trausaal und notwendige Erschließungsflächen. Die großen Sitzungssäle sollen auch für die Rückenschule genutzt werden können – darauf sei zu achten. Den Standard für die Büros der Mitarbeiter bilden Doppelzimmer. Es werden sich darüber hinaus 3 Wohnungen (2 x 100 m², 1 x 75 m²) in dem Gebäude finden, die von Gemeindemitarbeitern genutzt werden können – diese können ggf. später in Bürofläche umgestaltet werden.
Auf Flexibilität (Trockenbauweise für den Verwaltungsbereich) und Wirtschaftlichkeit für Errichtung, Betrieb und Unterhalt wird besonders geachtet. In der Ausschreibung wird sich bewusst nicht auf eine Bauweise des Baus festgelegt, um so den Architekten in Art und Gestaltung größtmöglichen Freiraum zu lassen.
Nachhaltiges, ökologisches Bauen wird angestrebt – eine Zertifizierung “Standard Silber” nach DGNB (Deutsche Gesellschaft für nachhaltiges Bauen) ist das Minimum, die EnEV Vorgaben sollen unterschritten werden.
Alle Vorgaben sind angelehnt an den ökologischen Kriterienkatalog der Stadt München. Wärmerückgewinnung und natürliche Belüftung ist ein Thema, und man denkt über Baukernaktivierung nach – keine klassische Klimatisierung.
Die Freianlagen sollen gestalterisch ansprechend, bürgernah, gut nutzbar (für Trauungen und andere besondere Anlässe) und mit einfachem Aufwand zu unterhalten sein.

Noch ein paar Zahlen: Grundstücksgröße: 3.260 m², Nutzfläche Rathaus: 1.778 m², Erweiterungsflächen: 275 m², Tiefgarage 1.100 m², Freianlagen: 2.200 m². Kostenschätzung nach Raumprogramm € 14.5 Mio. .

Auf dem Podium (v.l.): Hr. Wiedersheim, Prof. Bohn (beide Bohnzirlewagen GmbH, Berater d. Gemeinde), BM Monn, Hr. Fiedler (Geschäftsführender Beamter), Hr. Wille (Wille|Kastner Architekten)

BM Monn eröffnete anschließend die Fragerunde, deren erste Frage auf das Raumprogramm abzielte, welches in den Ausführungen des Herrn Wille so gut wie keine Berücksichtigung gefunden hatte.
Herr Fiedler übernahm: Als Raumprogrammstandard ist das Doppelzimmer (wo immer möglich) vorgesehen! “Der Ratssaal und der Trauraum sollen, wenn möglich zusammengeschaltet werden und zusammen mit dem Foyer einen großen Raum für Bürgerinformationsveranstaltungen … oder für andere Bereiche nutzbar sein.” Er ging noch kurz auf die Flexibilität, auch im Hinblick auf die Umnutzung der 3 geplanten Wohnungen, ein. Das war’s zur Raumplanung. Keine Aussage zur Anzahl und Größe (und Notwendigkeit) von Büros, Besprechungszimmern, Küchen, etc..

Technische Ausführungen wie Klimatisierung, Fassadenbegrünung etc. werden im Rahmen des noch nicht feststehenden technischen Ausrüstungskonzepts festgelegt.
Es besteht der Wunsch nach einem einladenden, vielfältig nutzbaren Foyer – diesem und anderen Wünschen wird in dem Raumnutzungsprogramm – als Planungsrandbedingung für die Architekten –  Rechnung getragen.
Die funktionalen Anforderungen sind so verbindlich beschrieben, dass die Architekten sie auch zu berücksichtigen haben.

Hr. Stefferl sieht den Neubau als Riesenchance für die nächsten 80 Jahre, fordert innovativere Konzepte wie ein Bürgerzentrum … und nicht nur ein Verwaltungsgebäude mit x Doppelbüros und größere Betonung der Nachhaltigkeit.
BM Monn entgegnet, dass der Wusch erkannt ist und mit dem Ratssaal/Trauraum/Foyer-Konzept diesem auch gerecht wird. Er stellt aber fest, das es ein starkes Interesse der Bürger gibt, in ihren eigenen Ortsteilen Versammlungsräume zu haben. Daher will er die Wichtigkeit der Versammlungsräume im Rathaus nicht überbetont wissen. Außerdem gebe es z.B. Pfarr- und Sportheime, den Marstall und einige noch nicht optimal genutzte Räumlichkeiten, die für Bürgerveranstaltungen aller Art umfunktioniert werden könnten (alte Schule Aufkirchen, das aktuelle Rathaus, etc.).

Generell kann man sagen, dass sich das Auditorium mehr Bürgerbeteiligung wünscht und der Eindruck entstanden ist, dass mit dem Lastenheft festgelegt wurde, was denn gebaut werden soll. Herr Wille und BM Monn widersprechen diesem ausdrücklich und versichern, dass durch die offene Ausschreibung noch großes Potential an Gestaltungsspielraum, auch für die Zukunft, vorhanden ist.

Zu erwarten sind nach dem im Gemeinderat vereinbarten Gestaltungswettbewerb nach VgV Verfahren ca. 8 verschiedene Entwürfe von Architektenbüros, die sich qualifiziert haben. Der Gemeinderat hatte sich (gegen die Stimmen von QUH und BG) mehrheitlich gegen einen freien Architektenwettbewerb entschieden und für ein beschränktes VgV-Verfahren (die Erklärung, was das bedeutet, hier https://quh-berg.de/neues-aus-dem-gemeinderat-die-19-sitzung/).
Zur Besetzung der Jury wollte man noch keine konkreten Angaben machen. Die endgültige Ausschreibung wird öffentlich gemacht und es wird weitere Informationsveranstaltungen geben.

Volker Cornelius, ortsansässiger Architekt, brach mehrere Lanzen für seine Zunft. Er hofft und ist sich sicher, dass unter den Entwürfen dann nicht nur kreative sein werden, sondern auch solche, die modernen Verwaltungs- und Bürostrukturen entsprechen werden – à la Büro 4.0: digitalisiert und zeitgemäss. Wir hoffen – und bangen! – mit ihm.

Kommentieren (2)

  1. Klaener
    31. Juli 2019 um 20:36

    Danke an die QUH für die Ankündigung der Informationsveranstaltung und auch für die Zusammenfassung.

    Als unmittelbarer Anwohner des neuen Rathauses hätte ich gerne an der Veranstaltung teilgenommen, aber ich habe erst durch den QUH-Blog am Samstag Abend davon erfahren und konnte so kurzfristig meine beruflichen Termine nicht ändern.

    Wieso wird eigentlich nicht ausführlicher über die Raumgestaltung aufgeklärt? Soll das eine positive Überraschung werden oder gibt es tatsächlich einen guten alten klassischen Verwaltungsbau mit langen Gängen und typischen Büroräumen, Vorzimmern und dem üblichen Drum und Dran von Gestern? Jede Firma dieser Welt macht sich Gedanken um den zukünftigen Arbeitsplatz und traditionelle Büros kommen darin kaum noch vor. Auch über die erwartete Besucherfrequenz, die Parkplatzsituation und die Chance zur Gestaltung als Treffpunkt hätte ich gerne manches gehört.

    Aber wie gesagt, ich konnte nicht da sein. Hat sich eigentlich mal jemand überlegt, den Anwohnern einen kleinen Hinweis auf die Veranstaltung rechtzeitig in die Briefkästen zu werfen? Oder ist jemand auf den Gedanken gekommen, das Gemeindemitteilungsblatt nicht heute, sondern schon vor 14 Tagen zu verteilen mit einem Hinweis auf die Veranstaltung. Vermutlich nicht.

    Nochmals vielen Dank an die QUH, ohne die zum Thema überhaupt nichts zu erfahren wäre.

  2. Stefferl
    5. August 2019 um 8:42

    Danke für den Bericht.
    Allerdings bin ich verwundert, dass das Thema Nachhaltigkeit, das einen großen Raum in der Diskussion eingenommen hat, nur in einem Nebensatz Erwähnung findet!

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