Der Kampf einer Frau

Angelika Nachtmann aus Höhenrain hat gekämpft – um das Leben ihrer Tochter und danach um ihr Recht. Die Geschichte dieses Kampfes ist nun als Film zu sehen und als Buch zu lesen.

Angelika Nachtmann

Angelika Nachtmann aus Höhenrain

Seit 56 Jahren lebt Angelika Nachtmann in Höhenrain. Mit neun Jahren wird sie vom Nachbarn einer Verwandten in den Sommerferien sexuell missbraucht. Ihre erste Ehe scheitert. Ihren Sohn bringt sie als junge Frau mit in die zweite Ehe, zwei weitere Kinder werden bald geboren, 1985 und 1986. Sie lebt mit ihrer Familie auf einem landwirtschaftlichen Anwesen – der Alltag mit der Schwiegermutter gestaltet sich schwierig. Aber es kommt alles noch viel schlimmer: Mit Tochter Katharina ist etwas nicht in Ordnung. Sie klagt über Kopfschmerzen, wächst ab dem Alter von fünf Jahren nicht mehr. Niemand nimmt Mutter und Tochter ernst, in der Schule wird sie gehänselt. Angelika Nachtmann bewältigt die Arbeit in der Landwirtschaft, die Versorgung der drei Kinder, die schwierige häusliche Situation. Parallel beginnt die jahrelange Odyssee – sie geht von einem Arzt zum nächsten, ohne dass die Ursache für die Krankheit der Tochter erkannt wird. Ein Klinikpförtner ist es schließlich, der das Richtige tut: Er schickt die beiden zu einer Endokrinologin. Dort wird ein Hypophysentumor diagnostiziert. Das Mädchen wird erfolgreich operiert.

Doch es gärt noch in Angelika Nachtmann. Als alles vorbei ist, ziehen “die vielen Jahre wie ein Film” vor ihrem inneren Auge vorbei. Sie klagt gegen Ärzte und Klinik, schließlich gegen den Freistaat Bayern. Das Gericht bestätigt einen groben Diagnosefehler. Weil der Hergang aber nicht eindeutig rekonstruierbar ist, wird ein Vergleich geschlossen. “Um Geld ist es dabei nicht gegangen”, sagt Frau Nachtmann. “Ich wollte verhindern, dass so etwas noch einmal passiert.”

Die heute bald dreißigjährige Tochter Katharina ist mittlerweile verheiratet und hat einen 10 Monate alten Sohn. Sie lebt zwar eingeschränkt, aber glücklich mit Mann und Kind auf dem Anwesen in Höhenrain.

Nachtmann Dünker

Und wie kam es zu Film und Buch? Frau Nachtmann hat einen Produzenten, Nils Dünker, im Bekanntenkreis, der ihr rät, ihre Geschichte aufzuschreiben. Als sie eine Reha machen muss, nimmt sie den ausrangierten Laptop von Nils Dünker mit und schreibt. Und schreibt und schreibt, bis aus ihrer Geschichte ein Buch geworden ist. Der Produzent setzte dann die Drehbuchautoren Angelika Schwarzhuber und Christian Lex an den Text

 

                                                                       

                                   Angelika Nachtmann und Produzent Nils Dünker

             

                                                             Steinbichler Nachtmann

 

 

 

Regisseur Hans Steinbichler machte den Film “Eine unerhörte Frau” daraus. Beim 12. Festival des deutschen Films in Ludwigshafen gab es standing ovations von 1200 Zuschauern. Auch auf dem fsff läuft der berührende Film – er wird noch einmal am Sonntag, den 7. August, um 20:30 Uhr in Herrsching gezeigt. Ursprünglich als reine Fernsehproduktion für ZDF und arte gedacht, kommt er nun am 6. Oktober in die Kinos.

“Im Film heißt es zwar, sie ist genesen, aber sie lebt noch sehr eingeschränkt”, sagt Angelika Nachtmann. ”

 

 

 

Mit Regisseur Hans Steinbichler

 

 

Nachtmann Buch

Das Buch

Für das Drehbuch musste die Geschichte von Angelika Nachtmann natürlich “massiv gekürzt” werden, und “der Film enthält künstlerische Freiheiten, aber das Buch ist detaillierter und hundertprozentig autobiografisch”, sagt die Autorin. Unter dem Titel Nicht gehört – fast zerstört” ist es beim Scholastik Verlag erschienen (ISBN 978-3-9817395-4-1) und für 13, 80 € zu haben. In Berg ist es erhältlich bei Schreibwaren Weller.

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