Die feierlich, fröhliche, freiheitliche Eröffnung des Berger Rathauses

Das muss man erst mal so hinbekommen! – Mit einem gleichzeitig feierlichen wie fröhlichen und auch ein wenig kämpferischen Festakt ist das Berger Rathaus am Dienstag Abend mit 170 geladenen Ehrengästen eröffnet worden. An dem Abend zog ein schöner Geist in das Haus ein. Dabei ging es ganz förmlich los:

Bürgermeister Rupert Steigenberger begrüßt Prinz Leopold von Bayern mit Frau Ursula im neuen Rathaus

Am Anfang seiner Begrüßung gestand der Bürgermeister, dass er “selten so aufgeregt” vor einer Veranstaltung gewesen sei. Dann erinnerte er daran, dass am 20 Januar immer der neu gewählte amerikanische Präsident vereidigt werde. Und da könnte man glücklich sein, dass man im Gegensatz zum letzten Jahr heuer ein “freudiges Ereignis” zu feiern habe (Erste Lacher).

Pfarrer Frania (im noch leeren Festsaal) feilte bis kurz vor der Veranstaltung an seiner Rede

Vor 13 Jahren hatte Rupert Monn (mitlerweile Altbürgermeister) den Plan zum Rathaus angeschoben. Ursprünglich wollte er es oben in Aufkirchen bauen, was aber am Widerstand des Gemeinderats scheiterte. Der Vorschlag für das jetzt so selbstverständlich funktionierende  Grundstück am Kreisel ging dann 2018 auf eine Initiative der QUH zurück. (Die Geschichte der Standortfindung lasen Sie damals hier:  https://quh-berg.de/das-rathaus-wohin-mit-dem-ding/. )

Die Menschen des Abends: Pfarrer Frania, Landrat Frey, Bürgermeister Steigenberger, 2. Bürgermeister Andi Hlavaty, 3. Bürgermeisterin Elke Link, Architekt Sebastian Dellinger, Bezirksrätin Martina Neubauer, Pfarrer Habdank

Als nächstes sprach der Landrat, der sich angesichts der schönen Räume für die Gemeindemitarbeiter:innen daran erinnerte, „in welchem Löchern ich gesessen habe“, und lobte, dass ein solches Haus auch finanziell eine “Investition in die Zukunft” sei. Ihm folgte Sebastian Dellinger, der sich mit den Worten “Ich bin der Architekt” vorstellte und darüber freute, dass das Haus tatsächlich so aussehe wie auf seinem Entwurf.

Sebastian Dellinger: “Ich bin der Architekt” 

Dellinger erläuterte ein wenig seine Idee des “Spiels mit den Traditionen”, also einem Haus mit drei Holzgiebeln, die sich allerdings in einem nicht rechteeckigen Winkel in einem Zentrum treffen und die Bürger mit “offenen Armen” empfangen.

Der Bürgermeister zeigt sein neue Arbeitsstätte

Dann erinnerte sich noch einmal Bürgermeister Steigenberger an die 1291 Tage Bauzeit, freute sich ebenfalls, dass das Gebäude mit seinen 42 Arbeitsplätzen seine Gäste “mit geöffneten Armen” empfange, “hell und freundlich” herüberkomme und ganz und gar barrierefrei sei (sogar mit einer Induktionsschleife für Hörgeschädigte).

Die Baukosten – auch das sicher eine Leistung des sachkundigen Bürgermeisters – seien zwar um etwa 3 Millionen gestiegen (von etwa 16 auf nunmehr 19,1 Millionen), was aber ein großer Erfolg sei, da die Baukosten im gleichen Zeitraum allgemein um 40% gestiegen seien. Noch während des Baus habe man Sparideen durchgesetzt (z.B. eine kleinere Tiefgarage). Obendrein habe die Gemeinde noch 2 Millionen Förderung zusätzlich bekommen, sodass das Defizit im Rahmen geblieben sei. Mehrmals – und mit Grund – dankte Steigenberger dem Gemeinderat für die stets konstruktive Zusammenarbeit.

Klaassisch mit Amtskette. Der Bürgermeister von Berg, Rupert Steigenberger

“Wir sitzen jetzt hier auf dem Präsentierteller”, freute sich der Bürgermeister. Er will aus dem Rathaus ein “Dienstleistungszentrum” für die Gemeinde machen. Dann – wer hätte das gedacht? – ging es um die Kultur. Er verwies auf den “sparsamen Kulturetat” der Gemeinde, mit dem aber etwas geschehe, “aber ich bin stolz darauf, was hier geschieht” (der Kulturbeauftragte war dann auch ganz stolz). Und er verwies auch auf das heute 12 köpfige Orchester “Frisch gestrichen!” unter der Leitung von Nils Schad, das den Abend fulminant begleitete (gleich dazu mehr), sondern auch auf die “Kunst am Bau”, für die auf seine Initiative hin 6 Berger Künstler beauftragt wurden, Werke für das Rathaus zu schaffen. Die QUH hat die Werke in einem eigenen Artikel vorgestellt: https://quh-berg.de/das-rathaus-den-buergern-und-der-kunst/. Und dann kam es zu einem gleichsam berührenden Moment: Der Bürgermeister hatte sich vom Orchester das Lied “Freiheit” von Marius Müller-Westernhagen gewünscht und dass die geladenen Gäste dieses Lied jetzt gemeinsam singen sollten, was diese dann auch taten.

Berg fordert und singt “Freiheit”

Was sollen wir sagen? – Das Lied wirkte geradezu beseelend. Wenn wir nicht mit Elke Link eine ebensogute Gegenkandidatin im Rennen um das Wohnrecht im Bürgermeisterzimmer für die nächsten 6 Jahre hätten, müssten wir sagen: Allein für die Idee, mit diesem Lied und dieser Aktion ein Rathaus zu eröffnen, gebühren Rupert ein paar Stimmen.

Schon dieser Moment hatte etwas sehr Erhebendes. Aber die Geistlichkeit kam ja erst. Es begann mit Johannes Habdank, der anschließend an die Bibellesung von dem Haus, das auf Sand gebaut ist (und nicht auf Nagelfluh) eine geradezu Monty-Python-artige Phantasie entwickelte, wie sich das Berger Rathaus – wie weiland König Ludwig – am “merkwürdigen Kreisverkehr vorbei” über den engen Wittelsbacherweg der Schwerkraft folge und sich unten im See versenken würde.

Eine geniale Predigt wie ein Monty-Python Witz von Pfarrer Habdank

Da Evangelen zwar Menschen segnen, aber keine Dinge, übergab Johannes Habdank dafür an seinen katholischen Kollegen Pfarrer Frania “für eine ganz andere Art von Geistlichkeit”. Dieser segnete dann stilecht das Haus mit dem Spruch, dass in einem “Rathaus guter Rat zu haben sein solle”, zitierte aus dem Leitbild, das er zuvor (siehe Bild oben) abgeschrieben hatte und rezitierte zum Schluss die Bayernhymne “weiß und blau”.

Pfarrer Rupert Frania segnet das Haus und alle die da gehen ein und aus

Bevor dann “Frisch gestrichen!” mit Whitney Houstons „One Moment in Time“ den rundum besonderen und modernen Abend, der hoffentlich für den neuen Geist im neuen Rathaus steht, festlich und besonders beendete, eroberte sich der 2. Bürgermeister Andi Hlavaty noch ungeplant das Mikro und dankte auch Elke Link und vor allem den beiden Ruperts für die andauernde Arbeit in den letzten 6 Jahren.

Das letzte Wort vor dem anschließenden Umtrunk voller netter Gespräche behielt sich dann der (noch) amtierende Hausherr Rupert Steigenberger vor, der den alten Pfarrer Wimmer zitierte, der seine Reden immer mit dem gleichen Wort beendete:

“Zamhalten!”

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