Neues aus Nigeria

Ein Foto einer Mutter mit ihren beiden Kindern. Gemacht offenbar in München. Der Sohn, Derick (7 Jahre) schaut direkt in die Kamera. Gerade ist er in Aufkirchen in die erste Klasse gekommen. Er ist in Deutschland geboren. Seine Schwester, Abundance (11 Jahre), trägt – gut integriert wie sie ist – ganz selbstverständlich ein Dirndl. Sie wird von der Berger Stiftung “Startchance” unterstützt. In der Schule kann sie gut mithalten. Diese Idylle wurde von der Asylpolitik der Staatsregierung brutal zerstört. Die Familie wurde am Nikolaustag wie berichtet (https://quh-berg.de/nacht-und-nebel-abschiebung-in-berg/) in einer “Nacht- und Nebelaktion” auf würdelose Weise nach Nigeria abgeschoben.

Familie Osayande, ehemals in Berg untergebracht und hier gut integriert

Sofort hat sich von Berg aus ein Unterstützerkreis gefunden, man versucht – auch über Anwälte – zu helfen. Derzeit wurden bereits fast 3000 Unterschriften und eine beträchtliche Geldsumme gesammelt. Man hält notdürftig den Kontakt zur Familie. Leider gibt es aus Nigeria keine guten Nachrichten.

Die Lage spitzt sich dramatisch zu. Die Mutter ist schwer an Malaria erkrankt und wird derzeit lediglich notdürftig versorgt. Eine kontinuierliche medizinische Behandlung ist nicht gewährleistet.

Während sie sehr geschwächt um ihre Genesung kämpft, sind die beiden Kinder in einer sehr gefährlichen Umgebung ohne jegliche Unterstützung quasi auf sich alleine gestellt.

Nigeria verfügt über kein staatliches Auffangsystem, das Kinder schützt, wenn Eltern krankheitsbedingt ausfallen. Es gibt weder Sozialhilfe noch Notunterkünfte oder verlässliche Kinderschutzstrukturen. Abundance und Derick befinden sich damit in einer akuten Gefährdungslage – in einem von Kriminalität und Terror geprägten Land, das ihnen fremd ist und in dem sie keinerlei familiäre Netzwerke haben.

Wenn eine Mutter krank im Bett liegt und zwei Kinder ohne Schutz zurückbleiben, ist das nicht nur eine humanitäre Bankrotterklärung. Es ist ein vorhersehbares Risiko für Leib und Leben, das nicht ignoriert werden darf.

Die Unterstützer*innen der Familie fordern daher dringend eine sofortige politische Lösung für die Familie: Ein humanitäres Aufenthaltsrecht in Deutschland muss schnellstmöglich geprüft werden, da das Kindeswohl akut gefährdet ist.

Alina Stroiu, Leiterin des Projekts “Integration durch Sport”, an dem beide Kinder teilnahmen, berichtet: “Imuetinyan ist drei Tage vor Silvester – durch den panischen Sprung aus dem Fenster bereits schwer verletzt und mit stark geschwächtem Immunsystem – zusätzlich an Malaria erkrankt. Sie ist schwach, kann kaum essen, trinken oder schlafen. Die Kinder, die zuvor noch nie in Nigeria waren, sind ebenfalls stark betroffen: Sie weinen fast täglich und verlassen aus Angst kaum das Haus, da sie selbst in Gefahr sind.” Alina steht regelmäßig mit der Mutter in Kontakt und versucht, sie zu ermutigen. Es sei gewährleistet, dass die finanzielle Unterstützung, die sie für medizinische Behandlung und Grundnahrungsmittel inkl. sauberes Wasser braucht, auch ankommt.

Die Unterstützer*innen betonen: „Kinderschutz darf nicht an der Grenze enden! Die Sicherheit der Familie ist akut gefährdet. Wir fordern die sofortige Übernahme politischer Verantwortung und schnelle Lösungen.“ Ein Kontakt zu den Unterstützeri*nnen ist über: bring.osayande.back@outlook.de möglich.

Der Berger Asylhelferkreis, der sich nicht nur um diese Familie, sondern um alle Geflüchteten, die in Berg zu Gast sind, kümmert, trifft sich am Montag 12.1. um 19 Uhr zum Stammtisch im Stüberl des Gasthauses “Die Post”. Interessente/innen sind herzlich willkommen und werden dringend gebraucht.

Kommentieren (5)

  1. Gast
    11. Januar 2026 um 19:36

    Die Kinder teilen die Asylentscheidung der Eltern, sprich, das Asylgesuch der Mutter wurde seit langem abgelehnt und diese Entscheidung betrifft auch die Kinder, sie waren mit ihrer Mutter ausreisepflichtig. Die Mutter hatte keinen Fluchtgrund und hat Nigeria bereits vor langer Zeit verlassen. Sie hielt sich einige Zeit in Italien auf, wo auch ihre Tochter geboren wurde, kam dann nach Deutschland und hat erneut Asyl beantragt. Sie lebte seit mehr als 6 Jahren in Deutschland, ihr Sohn wurde hier geboren. Sie lebte allerdings noch wie vor in einer Flüchtlingsunterkunft und durchgängig von öffentlichen Geldern, gearbeitet hat sie nicht. Die Abschiebung fand weder bei Nacht und Nebel statt, noch war sie nicht vorherzusehen, ganz im Gegenteil, sie war seit langem überfällig. Man kann durchaus Anteil am dem Schicksal der Kinder nehmen, die sich jetzt ohne Sozialsystem in Nigeria zurechtfinden müssen und es ist auch schön, dass Menschen der Familie mit Spenden helfen. Eine Rückholung wird wohl nicht erfolgen, auch wenn man sich noch so dafür einsetzt. Die Abschiebung war rechtsstaatlich begründet und in Nigeria gibt es etliche Familien, Alleinerziehende, Behinderte und Alte, die auch Unterstützung und Hilfe benötigen. Wo möchten die Helfer da anfangen und sollen alle nach Deutschland kommen? Und auch, wenn man es nicht hören möchte: Armut und Perspektivlosigkeit ist kein Asylgrund, war es nie und wird es auch nicht sein…..

    • Haltung zeigen
      13. Januar 2026 um 21:56

      Es ist bemerkenswert, wie leichtfertig Sie über das Schicksal einer Frau urteilen, deren Lebensrealität Sie offensichtlich nicht kennen. Die Mutter, von der Sie sprechen, war Opfer von schwerem Menschenhandel. Sie hat Erfahrungen gemacht, die man niemandem wünschen würde – auch Ihnen nicht.

      Trotz dieser traumatischen Vorgeschichte hat sie hier in Deutschland als alleinerziehende Mutter Verantwortung übernommen. Ihre Kinder waren integriert, sicher, geborgen – und das vor allem, weil sie sich liebevoll und konsequent um sie gekümmert hat. Dass sie nicht arbeiten durfte, lag nicht an mangelndem Willen, sondern an ihrem rechtlichen Status. Das System hat ihr diese Möglichkeit schlicht verwehrt.

      Vielleicht lohnt sich ein Besuch in einer solchen Unterkunft, bevor man urteilt. Container, Enge, fehlende Privatsphäre – das hat nichts mit „Luxus“ zu tun. Und wenn wir schon über Steuergelder sprechen: Der große Teil fließt in ganz andere Bereiche als in die Grundversorgung von Geflüchteten. Wer nach unten tritt, übersieht oft, wo die tatsächlichen Ungerechtigkeiten liegen.

      Ihr Kommentar blendet all das aus und wirkt dadurch erschreckend empathielos. Man kann über Asylpolitik diskutieren – aber nicht, indem man Menschen auf Paragrafen reduziert und ihre Geschichte ignoriert. Ein Mindestmaß an Menschlichkeit wäre angebracht.

      Ich belasse es dabei, um sachlich zu bleiben.

  2. Menschenfreund
    12. Januar 2026 um 13:51

    … für Sie dann auch nicht, wenn Sie – wie ich finde- wegen Unmenschlichkeit, Kälte, fehlender Empathie sowie sturem Paragraphen-Reiten wohl nicht direkt im Paradies landen werden oder im nächsten Leben nicht das Glück haben, ohne eigenes Zutun (wieder) hier geboren zu werden.

  3. q-bee
    16. Januar 2026 um 16:55

    Mich hat diese Geschichte sehr betroffen gemacht. Insbesondere, weil ich mir manchmal einbilde ich lebe hier in einer heilen Welt und es mir nicht vorstellen will, dass die grausame Härte der Paragraphen in der unmittelbaren Nachbarschaft für so viel Leid sorgt.
    Deswegen werde ich morgen bei der Veranstaltung des Lichtermeers auf dem Starnberger Kirchplatz um 18:00 Uhr sein, bei der es darum geht Mitmenschlichkeit und Zusammenhalt zu zeigen. Dort wird natürlich auch der Fall Osayande zur Sprache kommen. Ich freue mich wenn wir viele aus Berg sind.

  4. Gast
    18. Januar 2026 um 20:03

    Genau das ist das Problem: Die Einbildung einer heilen Welt (Fernab jeder Realität)

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